Beim Schreiben des Wikipedia-Artikels zum Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz stieß ich auf einen ausführlichen und sehr lesenswerten Aufsatz, den Ute Kötter in der Ausgabe 3/2011 der Zeitschrift info also veröffentlicht hat. Das Verfahren zur Ermittlung des Regelbedarfs ist nicht ganz einfach; ich habe es im einzelnen in dem Wikipedia-Artikel beschrieben. Ebenso wie Becker/Münder, kritisiert auch Kötter die Vermischung von Statistik- und Warenkorbmethode: Es wird zwar grundsätzlich von einem statistisch ermittelten Bedarf der unteren 15 bzw. 20 Prozent der privaten Haushalte in der Einkommenstatistik ausgegangen, im weiteren werden dann aber bestimmte Bedarfe wiederum von dem ausgenommen, was diese Vergleichsgruppe zum Leben braucht. Sachliche Gründe gibt es dafür nicht, auch das sogenannte „Lohnabstandsgebot“ ist bekanntlich vom Bundessozialgericht und vom Bundesverfassunggericht als verfassungsrechtliche Rechtfertigung für eine Unterdeckung des soziokulturellen Mindestbedarfs abgelehnt worden. Es handelt sich deshalb um einen Rechenschritt, der ausschließlich aus politischen Gründen durchgeführt wird. Soweit, so bekannt. Neu war aber auch mir der tatsächliche Umfang der „nicht regelbedarfsrelevanten“ Bedarfe, die auf diese Weise abgesetzt werden. Kötter schreibt in info also 2011, 99, 104, die Hans-Böckler-Stiftung habe das ausgerechnet: „Im Ergebnis wurden … von den 535,33 Euro, die Alleinstehende der Referenzgruppe … ohne Miet- und Heizkosten im Monat durchschnittlich ausgegeben haben, im Regelbedarf für Alleinstehende 361,81 Euro berücksichtigt.“ Also etwa minus ein Drittel. Das ist eine Mitteilung, die man gar nicht deutlich genug hervorheben kann.
Jürgen Fenn
-
Texte
Mehr
Rückblick
- April 2013
- März 2013
- Februar 2013
- Januar 2013
- Dezember 2012
- November 2012
- Oktober 2012
- September 2012
- August 2012
- Juli 2012
- Juni 2012
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
Schubladen
- Aelterwerden
- Bericht
- Bibliothek
- Bildung
- Bourgeoisie
- Buergerliche_Ideologie
- Erinnerung
- Ernaehrung
- Frage
- Freie Software
- Gastronomie
- Gedicht
- Gender
- Geschichte
- Gesetzliche Rentenversicherung
- Gesetzliche Unfallversicherung
- Grundsicherungsrecht
- Haiku
- Idee
- Küche
- Konsumterror
- Krankheit
- Kultur
- Kunstausstellung
- Leseerfahrungen
- Liebe
- Literatur
- Medien
- Meinung
- Mietrecht
- Militarismus
- Musik
- Natur
- Netzkultur
- Notiz
- Peinlich
- Philosophie
- Politik
- Provinz
- Psychoanalyse
- Recht
- Rundfunk
- Satire
- Soziologie
- Spiritualität
- Sprache
- Uebergaenge
- Uebersetzung
- Umwelt
- Unterwegs
- Verwaltung
- Wikipedia
- Wirtschaft
- Wissenschaft
- Zeitgeschichte
- Zitat
Blogverwaltung
Lizenz

Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Ein Rechenschritt