Nachrichten in Zeiten von Google und Twitter

  • Christian Köllerer weist auf drei Beiträge im Economist über die Präsidentschaftswahlen im Iran hin [1] [2] [3], unter anderem eine Bewertung der Berichterstattung old media vs. very new media. Schlußfolgerung: „The winner of the Iranian protests was neither old media nor new media, but a hybrid of the two.“
  • Google hat seinen radebrechenden Übersetzungsservice Google Translate nun um Übersetzungen aus Farsi erweitert [1] [2]. Bisher kann Farsi aber noch nicht ausgewählt werden. Kommt also wohl doch erst noch…
  • In der Futureculture-Liste (auf das Archiv der Liste können nur Abonnenten zugreifen) kam heute folgender Aufruf: „For you Twitter people.. set your location to Tehran and your time zone to GMT +3.30. Security forces are hunting for bloggers using location/timezone searches. The more people at this location, the more of a logjam it creates for forces trying to shut Iranians‘ access to the internet down. Cut-n-paste & pass it on.“
  • Ein Journalist des DLF/DLR Kultur hat in seinem Medienradio-Podcast zum Thema Zensursula, der gestern abend aufgezeichnet wurde, wörtlich erklärt: „Für mich ist Twitter sowas wie die Nachrichtenagentur des Netzes.“ Der Podcaster Tim Pritlove widersprach dem ebenso gehaltvoll: „Twitter ist keine Nachrichtenagentur. Es ist das moderne Telex.“

Wenn es das Medienmagazin Kurzwellenpanorama/Intermedia von Wolf Harranth bei Radio Österreich International heute noch gäbe, käme dort morgen ein Brief an den „lieben Funkfreund“. Was müßte man ihm wohl schreiben? „Hüte Dich vor Nachrichtenagenturen, die in 10 Minuten zu einem bestimmten Hashtag rund 600 neue Tweets bringen?“ (so selbst vor ein paar Tagen zu #IranElection erlebt…)

Ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht sicher, was von alledem authentische Oppositionsarbeit ist und was Medienhype, Fehlinformation, Show oder versuchte zwischenstaatliche Einflußnahme. Cryptome jedenfalls hat bisher nur diese Bilder veröffentlicht, mehr nicht, aber auch nicht weniger. Sie sagen mehr als 600 Tweets in 10 Minuten aus dem großen Telex, das längst keiner mehr lesen und einschätzen kann.

Gleichzeitig veröffentlicht am 19. Juni 2009 in der Mailingliste A-DX und bei der Freitag Community.

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