Universität Frankfurt, Campus Westend, 24. Juli 2009

Die Gebäude stehen wie im Traum. Kein Schatten. Kühle glatte Klötze in Sahara-Farben. Sie geben sich verschlossen. Kalt weht der Wind über den weiten Platz. Ohne Widerstand, bewegt er nichts.

Campus der langen Wege, auf den sich niemand zufällig verirrt. Zaun drumherum. Wir sind ganz entre nous. Alles riecht noch ganz neu. Klimatisiert und hell und sauber. Als würde jeder dieser Kuben einmal in der Woche mit einem gigantischen Mop abgestaubt und mit einem riesigen Lappen von einer gottgleichen Putzfrau feucht gewischt, damit sie auf Dauer so bleiben mögen. Genau die richtige Temperatur.

Aber viel zuviel Raum ist hier „umbaut“ worden, Frankfurt ist doch sonst so klein und eng. Alles ist mehrere Nummern zu groß geraten. Im amerikanischen Stil. Uni im Nirgendwo, mittendrin in der Stadt ist man fernab von der Welt. Über unsichtbare Drähte und Wellen mit draußen vernetzt. Dies könnte überall sein.

Stille trotz Sturms. Kein Laut auf der weiten, windigen Fläche kündet von dem Schrecken, den diejenigen, die hier „Recht und Wirtschaft“ studieren, anrichten werden in der Welt. Ein unhörbarer, heiserer Schrei hallt über die aseptische Szene, die an ihren Rändern bevölkert ist von den handytelefonierenden, brötchenessenden Kindern der middle class, die zielstrebig und zügig geradeaus gehen, aneinander vorbeigehen, teils kuriose kleine Rollköfferchen hinter sich herziehend. Kaum Personal hier.

Mich friert es vor Gemütlichkeit.

Wie werden diese Häuser aussehen in zwanzig, dreißig Jahren? Werden sie in Würde altern können? Werden sie Patina ansetzen können? Die Architektur der 60er und 70er Jahre ist gealtert, aber nicht in Würde. Sie sieht heute einfach nur scheußlich, dreckig und heruntergekommen aus.

„Exzellenz“? In den neuen Regalen stehen die alten Bücher. Zwei von vier Bänden, die ich heute suchte, Neuerscheinungen, waren nicht greifbar.

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