Der Relaunch des „Freitag“ im Nachhinein betrachtet

Christian Sickendieck hat die Auflagenentwickung des Freitag seit dem Relaunch im vergangenen Februar zutreffend kommentiert. Meine Anmerkung zu seinem Beitrag zitiere ich im folgenden – mit einer kleinen, aber wichtigen Ergänzung:

Ich hatte mein Abo etwa einen Monat nach dem Relaunch gekündigt. Nach über zehn Jahren. Ich habe es bisher nicht bereut. Die Zeitung wurde immer langweiliger. Die Titel sprechen mich nicht mehr an. Und die Artikel lassen leider den Tiefgang und die klare Positionierung der letzten Jahre vermissen. Über den Freitag kann ich mich derzeit weder politisch noch kulturell informieren oder anregen lassen.

Jede große Tageszeitung bietet heute mehr Tiefgang und Recherche als der Freitag. Der Kahlschlag wäre nicht nötig gewesen.

Mit den Relaunch des Freitag ist keine neue Zeitung entstanden, sondern es ist im Gegenteil ein eminent wichtiges journalistisches Projekt vom Markt verschwunden, das einzigartig war und für das es keinen Ersatz geben wird: Ost-West, links, kritisch, nachdenklich, leise und leidenschaftlich [und ich ergänze hier: auch antifaschistisch]. In Politik und Kultur.

Die Verbindung von Print und Online scheint mir in der letzten Zeit zunehmend durch die „Publizisten“ angetrieben zu werden. Bin mir nicht so sicher, ob sie dort im rot markierten Bereich noch alle für lau bloggen. Die Übergänge zur Redaktion und zu den Autoren der Printausgabe sind fließend geworden.

Werbeanzeigen