Über den „Rand der Gesellschaft“

… Selten gab es in der deutschen Literatur ein Buch, das sich so kenntnisreich, so liebevoll mit Figuren vom sogenannten Rand der Gesellschaft beschäftigt hat. …

So Matthias Schmidt in der „Welt am Sonntag“ im März 2008 über Clemens Meyers Erzählungen „Die Nacht, die Lichter“ (S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2008).

Selten sind die Kaiserin Sissi, der Manager Ackermann oder Herr Lagerfeld als „Figuren vom sogenannten Rand der Gesellschaft“ bezeichnet worden, obwohl sie es sind. Und obwohl sogar die „Welt“ den Autor noch mit dem Hinweis zitiert, er schreibe hier ja eigentlich über die Mehrheit im Lande, verschweigt die Verlagswerbung diesen anschließenden Satz und bricht das Zitat aus der Rezension just an dieser Stelle im Klappentext ab. Im Original heißt es:

… „Das ist nicht die Schattenseite der Gesellschaft“, sagt Meyer, „sondern ein riesiger Teil davon. Die Leute, die ich schildere, gibt es doch zu Hunderttausenden.“ …

Meyer sieht sich selbst ebenda in der Tradition von Ernest Hemingway und Jack London. Sie schrieben bekanntlich vom Krieg und über den Goldrausch.

Findet der Krieg heute in unseren Sozialbehörden und bei den Sozialgerichten statt? Kämpfen dort die Interessenträger des eigentlichen Rands der Gesellschaft gegen die Interessen der Mehrheit? Auch gegen die Interessen derjenigen, die im Augenblick noch keine Leistungen der Grundsicherung benötigen? Im Namen des Volkes? Auf politische Weisung?

Kann man dagegen etwas tun?

Clemens Meyer lesen?

Gleichzeitig veröffentlicht in der Freitag Community am 17. August 2009.