Netiquette

In der Freitag Community wurde von der Redaktion die Frage an die Teilnehmer gestellt, weshalb manche Blogger anonym bleiben und nur unter einem Nickname auftreten. Meine Antwort vom 29. und 30. September 2009:

Die Diskussion „Nickname“ vs. „Realname“ ist alt, und ihr kanonischer Ort ist die Netiquette, die bekanntlich grundsätzlich die Angabe eines Realnamens fordert. Ich habe mich immer daran gehalten und finde es lächerlich, wenn jemand meint, er könne in irgendeiner Weise im Internet sich anonym bewegen. Ich will es zwar nicht ausschließen, daß das tatsächlich ginge, aber der Aufwand hierfür wäre doch ziemlich hoch. Jedenfalls zu hoch für Otto Normaluser. Vor ein paar Monaten habe ich die Identität eines Users, der sich im Chat nicht mit Realnamen vorstellen wollte, innerhalb etwa einer Viertelstunde mithilfe einiger Tools und zweier Suchmaschinenrecherchen ermittelt. Es war sehr leicht.

Ich meine auch, daß die Verwendung eines Nickname – oder hier vielleicht passender: eines nom de plume – im Netz, wenn ich mir die Begründungen so anschaue, eine Haltung in sich trägt, die ich ganz allgemein nicht für wünschenswert ansehe. Das Handeln unter dem richtigen Namen ist auch eine Form des „aufrechten Gangs“, die ich mir unbedingt wünsche, gerade von jemand, der sich politisch äußern möchte, um ihn ernst nehmen zu können.

[…] Herr K. hat bekanntlich gesagt, auch er habe ein Rückgrat, aber keines zum Zerbrechen durch „die Gewalt“. Aber die Gewalt, vor der sich anonyme Poster verbergen, ist immer noch harmlos gegen diejenige, mit der sich B. B. auseinandersetzen mußte. Was ist eine Diktatur im Vergleich zu Google?

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Ein Gedanke zu „Netiquette“

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