Erneut: Kann man Suchmaschinen verbessern?

Meine Meinung vom Juli 2007, wonach die Suchmaschinen nicht zu „verbessern“, sehr wohl aber durch eine qualitativ andere Einrichtung im Web zu ersetzen sein werden, erweist sich nun immer mehr als zutreffend. Soziale Netzwerke konkurrieren zunehmend mit Suchmaschinen darum, den Websites Besucher zuzuführen, schreibt Holger Schmidt in seinem Blog bei der F.A.Z. am 12. Oktober 2009:

[…] die persönlichen Empfehlungen im sozialen Internet [sind] wertvoller und nachhaltiger als Suchtreffer. Denn Leser, die per Link kommen, sind meist loyaler als die Leser, die von Google kommen. Nach einer Untersuchung des amerikanischen Werbenetzwerkes Chitika kommt jeder fünfte Nutzer, der von Facebook per Link auf eine Medienseite geleitet wurde, wiederholt zurück. Und persönliche Empfehlungen haben den Vorteil, den Medien ganz neue Leser zuzuführen. „Zwar sind etwa 90 Prozent der Besucher Wiederkehrer, aber immerhin rund ein Zehntel gelangt via Twitter zum ersten Mal auf eine Medienseite“ […] Geschätzte fünf Millionen Links werden jeden Tag auf Twitter verbreitet, von denen die großen Medienseiten wesentlich profitieren.

So ersetzen Empfehlungen, die öffentlich weitergegeben werden, zumindest bei aktuellen Themen zunehmend die Nachweise, die die Algorithmen von Suchmaschinen erzeugen. Die Weitergabe von Links erfolgt dabei nicht nur innerhalb personalisierter Netzwerke, die je nach Plattform als „Freunde“, „Kontakte“ oder „Follower“ bezeichnet werden, sondern die Information steht über die Suchfunktion der Plattform mehr oder weniger allgemein jedem User direkt und in Echtzeit zur Verfügung. Soweit eine Anmeldung erforderlich ist, kann diese auch lediglich erfolgen, um die Suchfunktion des sozialen Netzwerks zu nutzen.

Schmidt suggeriert zwar, hiervon profitierten vorwiegend die großen Medienkonzerne, das ist aber nicht zutreffend, denn es werden ebenso Blogbeiträge und private Websites über soziale Netzwerke verlinkt und empfohlen. Es besteht hier also durchaus Potential zur Erzeugung einer Gegenöffentlichkeit, was man von den kommerziellen Suchmaschinen nicht sagen kann, weil bei ihnen sowohl die erfaßten Websites als auch die Kriterien für die Auswahl hieraus, nach denen die Abfrageergebnisse zusammengestellt werden, für den Anwender nicht durchschaubar sind. Zwar versuchen die Konzerne, die sich bisher in Suchmaschinenoptimierung geübt hatten, auch diesen Kanal für ihre Zwecke zu kontrollieren und zu manipulieren, indem sie attraktive Angebote in den Netzwerken einrichten, die von möglichst vielen Nutzern standardmäßig bezogen werden. Die Netzgemeinde ist erfahrungsgemäß aber hinreichend kritisch und kompetent, so daß Manipulationen leicht auffallen und als solche offengelegt und ihrerseits als negative Empfehlung weitergegeben werden. Die Voraussetzung hierfür ist natürlich die technisch einwandfreie Funktion der Kommunikation zwischen den Teilnehmern innerhalb des Netzwerks.

Die Suchmaschinen versuchen seit einiger Zeit schon, diesem Trend entgegenzuwirken und ihren Marktanteil zu wahren, indem sie zunehmend Microblogging-Dienste wie Twitter oder Identi.ca ebenfalls erfassen und passende Treffer in den Suchergebnissen nachweisen. Dieser Ansatz verkennt, daß es in sozialen Netzwerken gerade entscheidend ist, wer einen Link empfiehlt. Die Relevanz wird dabei grundsätzlich nicht über einen mathematischen Algorithmus allgemein bestimmt, sondern von jedem User nach dessen eigener Einschätzung und Interessenlage. Diese Gewichtung und das Maß an Aktualität, das in einem sozialen Netzwerk möglich ist, kann eine Suchmaschine prinzipiell nicht abbilden.

Daraus folgt indes noch nicht, daß die Suchmaschinen ganz ausgediehnt hätten. Sie werden aber zumindest einen Teil ihres bisherigen Zwecks und auch ihres Marktanteils an die sozialen Netzwerke verlieren.

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