Der öffentlich-rechtliche Rundfunk baut ab – am Beispiel des hr II

„Der Schriftsteller Walter Kappacher hat am Samstag die wichtigste deutsche Auszeichnung für Literatur erhalten: den Georg-Büchner-Preis.“ Und hr2 hat auch in diesem Jahr die Preisrede nicht, wie es früher üblich war, übertragen. Wenn man bedenkt, was für ein Aufwand für irgendwelche Sportübertragungen oder für allerlangweiligste und größtenteils geradezu unterirdische Politik-Talkshows getrieben wird, kann man daraus entnehmen, welchen Stellenwert die Kultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat. Auch die Frankfurter Poetikvorlesungen werden schon seit einiger Zeit nicht mehr vom hr aufgezeichnet.

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4 Kommentare zu „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk baut ab – am Beispiel des hr II“

  1. das ist sehr traurig –
    dabei wäre genau dies die redaktionelle Pflicht des Senders.
    Diese Verwechslung der Sportübertragungen mit Kultur ist verwerflich, aber war es nicht der HR- Sportboss, der sich damit ordentlich was hinzu verdiente?
    Wenn man die cui bono- frage stellt, erschliessen sich die Ursachen solcher Entscheidungen. DAs gilt übrigens auch für die Politik

  2. Danke für Deine Anmerkung, Wolf. Ich weiß leider nicht, welche Gründe dazu geführt hatten, die früher[tm] übliche Live-Übertragung aus Darmstadt irgendwann mal abzusetzen, soweit ich es sehe, sind jedenfalls auch die hr-Mitarbeiter mit diesem stetigen Abbau sehr unzufrieden. Es hilft aber nichts. Mittlerweile gibt es dort in den Führungsetagen schon Personal, das sich an die „alten Zeiten“, über die ich im ersten Teil meines Blogbeitrags geschrieben hatte, schon gar nicht mehr erinnern können. Und zum immer weiteren Sparen gibt es ja immer einen Grund …

  3. Ich möchte mich sehr herzlich für die beiden Beiträge über die Situation in Sachen hr und insbesondere hr2 bedanken.

    Als langjähriger Hörer der Wellen habe ich mich daran gewöhnen müssen, dass ich offenbar nicht nur nicht repräsentativ bin, sondern auch, dass ich immer wieder „Programmreformen“ über mich ergehen lassen muss. Wie in anderen Bereichen des Lebens hat sich die Bewertung des Begriffes Reform grundsätzlich verändert. Früher war sicher nicht alles besser. Vor einigen Jahren war es aber immerhin so, dass der Begriff Reform positiv besetzt war. Jetzt bedeutet Reform nur noch Abbau. Eine reformiertes System ist nach seiner Reform nicht besser, sondern allenfalls billiger und sogar das stimmt oft nicht wirklich.

    Zurück zum Radio, zurück zum Hessischen Rundfunk, den ich über viele Jahre hinweg immer wieder auch in Diskussionen verteidigt habe. Spätestens seit der 2003er Programmreform, die hr1 zu einem Dudelsender degradiert hat und anerkannte Formate wie das Musikmagazin „Schwarz Weiss“ ersatz- und skrupellos gestrichen hatte, verkommt die komplette Sendeanstalt, die früher mindestens teilweise hochwertige Formate erdacht, gelebt und gesendet hatte, vollends. Das ist sehr schade und macht Hörer die mehr wollen als einen Dudelfunk, zunehmend heimatlos. Natürlich gibt es auch Lichtblicke, natürlich gibt es Nischen wie ByteFM, doch diese gesendeten Tropfen auf diverse heisse Steine sind nur ein sehr schwacher Trost.

    Das Nicht-Mehr-Übertragen der Verleihung des Büchnerpreises passt da leider nur allzu gut in das Schema der aktuellen Leitmotive. Programme, ob im Hörfunk oder im Fernsehen müssen billig und dumm sein. Dabei zeigen sich Programmmacher in diesem Punkt unerfreulich kreativ. Immer wenn man meint, dass es nicht mehr schlimmer werden kann, beweisen uns Programmdirektoren und Intendanten, dass man noch tiefer sinken kann. Ich hoffe trotz dieser traurigen Entwicklung sehr darauf, dass wir eines Tages eine Umkehr dieser unseligen Denke miterleben dürfen. Sehr optimistisch bin ich diesbezüglich allerdings nicht.

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