Wikipedia means business II

In der deutschsprachigen Wikipedia wird derzeit über die Einbindung in das Vergütungssystem der VG Wort für Texte im Internet diskutiert. – Posting in der Mailingliste VereinDE-l, 28. November 2009:

Wenn ich gemeinsam mit anderen einen Textkorpus bearbeite, stellen sich ja sehr viele Fragen. Woran habe ich denn dann überhaupt ein Urheberrecht, beginnen wir mal damit? An den jeweiligen Edits. Die für sich genommen nichts wert wären, sondern die nur zusammen mit denjenigen der anderen überhaupt möglich sind und einen Sinn ergeben. Und wie sollte das dann im Metis-System vergütet werden?

Sinnvollerweise sollte mit dem insoweit anfallenden Geld genau dassselbe passieren, was auch mit dem Text erfolgt war: Es sollte erst einmal an die Gemeinschaft fließen, nicht an andere. Und die Gemeinschaft sollte dann darüber entscheiden, wie damit weiter zu verfahren wäre.

Und dann stellt sich die Frage, ob man es überhaupt soweit kommen lassen sollte, daß der große Tanker Wikipedia kommerzialisiert wird und sich in das verwertungsgesellschaftliche System einbindet. Es bestände nicht nur die Gefahr, daß sich das langfristig auf die Inhalte auswirken könnte, sondern es würden durch die Teilnahme am Metis-Verfahren ja auch Mittel von anderen Autoren abgezogen, die dann bei der Verteilung des Metis-Kuchens nicht mehr so umfangreich zum Zuge kämen.

Freiheit von Metis bedeutet Unabhängigkeit von äußerer Einflußnahme und bedeutet auch, daß man nicht Gefahr läuft, sich an irgendwelchen äußeren Maßstäben zu orientieren – das fängt bei der Mindestlänge von zu vergütenden Texten an und geht über die Zugriffszahlen und wie diese zu steigern wären bis hin zur sonstigen stromlinienförmigen Gestaltung des Produkts „Wikipedia“. Alles sehr problematisch und zu durchdenken, bevor man das Geld-Faß der VG Wort aufmacht.