Es weihnachtet sehr … VI

Dämmerungsspaziergang am Samstagnachmittag. Der erste in dieser Saison mit Handschuhen. Morgen ist zweiter Advent und Nikolaustag gleichzeitig (mein Kalender in Thunderbird nennt ihn „St. Nikolaus Day [Nikolaus]“), und die Fahrer der Autos, haben es eilig. Der Christbaumverkauf ist um diese Zeit bereits zum Erliegen gekommen. In unserer Gegend hat man die Wahl zwischen dem Hof des Computerhändlers gegenüber vom Hotel und dem Parkplatz vor dem Supermarkt.

Auf dem halben Weg beginnt es zu regnen, was die naßkalte und tiefgraue Stimmung noch unangenehmer werden läßt. Ich frage mich, ob das Verschwinden der Lichterketten und sonstigen Adventsschmucks Ausdruck einer neuen Form von Biedermeierlichkeit ist. Man spart sich die Lichterkette und den für ihren Betrieb erforderlichen Strom und zieht sich mit allem Schmückenden ganz in die eigenen vier Wände zurück. Niemand soll teilhaben am eigenen Schmuck. Man könnte deshalb auch von einer Variante der Ichbezogenheit sprechen. Auch die Konkurrenz mit dem Nachbarn um das weihnachtlichste Zimmerfenster mit Blick auf die Straße entfällt. Und das ausgerechnet im bürgerlichsten Teil unserer Stadt. Nur unser Hochhaus macht eine Ausnahme. Wie in jedem Jahr hatte unser Hausmeister auch diesmal wieder pünktlich zum ersten Advent einen Christbaum aufgestellt, kurioserweise auf dem Dach über dem Hauseingang. Gäbe es ihn nicht, könnte man die Jahreszeit nicht von anderen unterscheiden.

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