Dänische Rechtsgeschichte

von schneeschmelze

Es hat sich doch noch gelohnt, heute die Süddeutsche zu kaufen. Auf Seite eins des Feuilletons findet sich nicht nur ein Bericht Jens Biskys über eine soziologische Tagung, die vergangene Woche an der Uni Frankfurt stattfand (besser spät als nie) und ein ausführlicher Beitrag über die László Moholy-Nagys-Retrospektive, die derzeit in der Schirn gezeigt wird, sondern auch eine kleine Notiz von Johann Schloemann über eine Initiative, die derzeit anscheinend Dänemark bewegt. Die dänische Kulturministerin habe angekündigt, die Königliche Bibliothek Dänemarks werde Verhandlungen mit ihren schwedischen Kollegen aufnehmen, um eine alte Handschrift aus dem 13. Jahrhundert nach Dänemark zurückzuführen, die einst vor gut 350 Jahren während der Kriege in schwedischen Besitz gelangt war und sich seitdem dort befindet. Es handelt sich dabei um die älteste Fassung des Jütischen Landrechts, das seit 1241 galt und die älteste Rechtsordnung Skandinaviens gewesen sei. Das Kopenhagener Stadtgericht trägt über seinem Eingang einen Satz aus dem Jyske Lov, der eine zeitgenössische Form unseres Rechtsstaatsprinzips war: „Med lov skal man land bygge“ („Aufs Gesetz soll man ein Land bauen.“).

Einen Grund dafür, daß die Urkunde weiterhin in schwedischem Besitz verbleiben sollte, wird nicht genannt. Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, sie an Dänemark zurückzugeben. Interessant ist, daß es hierfür keine völkerrechtliche Grundlage gebe, wie Schloemann schreibt. Die Dänen seien also auf den guten Willen der schwedischen Seite angewiesen. Einen schalen Beigeschmack hat die Sache nur, weil sie ausgerechnet von einer rechtspopulistischen Partei in Dänemark vorgetragen wird, von der die derzeitige dänische MInderheitsregierung abhängig sei. Außerdem erinnert dies an die Hintergründe, die wirken, wenn sich die europäischen Politiker im Rahmen der Europäischen Gemeinschaften an einen Tisch zusammensetzen, um Beschlüsse zu fassen, an die dann später alle gebunden sein sollen.