Der öffentlich-rechtliche Rundfunk baut ab – am Beispiel des hr – Teil III

von schneeschmelze

Den Abbau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks habe ich schon früher kritisiert.[1][2]

Nun geht die Entwicklung beim hr in zwei Richtungen: Einerseits wurde im hr2-Kulturkalender 2010, einem Taschenkalender, den sich jeder Hörer zum Jahresende kostenlos beim hr bestellen konnte, eine Sondersendung zur Verleihung des Büchnerpreises angekündigt – zwar nur zeitversetzt am darauffolgenden Sonntag (24. Oktober 2010, 12.05 Uhr, hr2), nicht mehr live wie ganz früher, aber immerhin. In den letzten Jahren gab es nur Auszüge aus der Preisrede im Kulturfrühstück um 9 Uhr morgens.

Andererseits aber wird das Mittagsprogramm von hr2 geändert, weil der hr kein eigenes Kinderprogramm mehr produziert. Stattdessen wird das Programm „Kakadu“ von Deutschlandradio Kultur von 13.30 Uhr bis 14 Uhr übernommen. Dadurch verschieben sich die Mittagssendungen etwas.

Außerdem wurde die hr-Mittelwelle in der Silvesternacht 2009/2010 abgeschaltet. Bei der Hörfunk-Programmreform hatte man die aktuelle Berichterstattung zunehmend aus der einstigen Nachrichtenwelle hr1 auf hr info abgeschoben, zum kleineren Teil auch auf die Kulturwelle hr2. Die sehr hörenswerte Sendung „Der Tag“ läuft seitdem auf hr2. Und auf hr1 hört man nur noch eher Seichtes von gestern (Motto: „Gibt mir das Gefühl zurück“). Das musikjournalistische Format „Schwarz-weiß – Musik in Farbe“ fiel ganz weg. Die letzten Macher der Sendung wurden vergangenes Jahr auch aus hr3 verdrängt und senden seitdem regelmäßig bei ByteFM.

Wenn der hr also die aktuelle Hörfunk-Berichterstattung im wesentlichen auf hr info verlegt, so kommt diesem Programm demnach für die Grundversorgung über politische und gesellschaftliche Ereignisse eine besondere Bedeutung zu. Es gibt Regionen in Hessen, in denen das Programm terrestrisch nur über die Mittelwelle zu empfangen war, weil es bis heute hierfür keine flächendeckende Versorgung auf UKW gibt. Vieles spricht dafür, daß der hr in diesen Fällen mit der Abschaltung der Mittelwellensender seinen gesetzlichen Auftrag zur Grundversorgung verletzt hat. Neben den Informationsprogrammen sind auch die fremdsprachlichen Sendungen des hr für Bürger ausländischer Herkunft weggefallen. Und auch Bundestags- und Landtagsdebatten wird es künftig nicht mehr im Küchen- und im Autoradio geben.

Wenn ein Hörer, der davon betroffen ist, eine Deckungszusage seiner Rechtsschutzversicherung für ein verwaltungsgerichtliches Eilverfahren erhielte, könnte man einmal austesten, wie weit der diesbezügliche Abbau gehen darf. Oder ob ein Hörer sich hier auf die Empfangsmöglichkeit per Satellit oder gar über Webradio verweisen lassen muß.

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