Mailinglisten „Schnee von gestern“?

von schneeschmelze

Auf der Arno-Schmidt-Mailingliste warf Giesbert Damaschke heute die Frage auf, ob Mailinglisten „Schnee von gestern“ seien. Anlaß war die Statistik der Liste: „Die Anzahl der Mails geht also kontinuierlich zurück, die Zahl der Mitglieder stagniert auf relativ hohem Niveau, es scheint da eine Art Sättigung eingetreten zu sein. Ich wüsste im deutschen Sprachraum jetzt keine Mailingliste zu einem Autor, die größer wäre – aber das kann natürlich auch heißen, dass Mailinglisten einfach Schnee von gestern sind und sich die Leser heute in Web-Foren etc. bewegen.“

Eine relativ große Zahl an Usern hat die Liste abonniert und erwartet auf diesem „Kanal“ – größtenteils passiv – Informationen zu Arno Schmidt. Die rückläufige Zahl der Postings hält bisher niemandem davon ab, die Liste zu abonnieren. Daneben gibt es die ASml-News als Blog. Die Nutzer sind nicht identisch. Ich lese nur die Liste, nicht das Blog.

Aus alledem würde ich nicht schließen, daß Mailinglisten allgemein (oder die ASml im besonderen) „Schnee von gestern“ sind. Eher daß die Diskussionskultur, die das Web ausmachte, als ich es kennenlernte, am Sterben ist (bei dem Satz fühle ich mich ja fast schon wie Methusalix😉. Man ist konsumistisch geworden und wartet darauf, „bedient“ zu werden. Der Anteil der Poster geht immer mehr zurück – oder tritt aus Angst vor den Spuren, die er hinterläßt, nur noch anonym auf. Die Vorratsdatenspeicherung und das Profiling der Arbeitgeber fressen das Web 2.0.