Eisberg voraus

von schneeschmelze

Was mir am meisten Sorgen macht ist, daß durch den Schiffbruch von Rot-grün aufklärerische Richtungen keine politische Mehrheit mehr erhalten, und ich nehme an, daß sich daran für einige Zeit nichts mehr ändern wird. Die Gesellschaft ist dermaßen auseinanderdividiert („Individualisierung“, „Prekariat“), daß sich eine „linke“ oder „alternative“ Mehrheit nicht mehr bilden wird[1]. Den Rest erledigt die Gegenaufklärung der „Kulturindustrie“. Auch diejenigen an der Grenze zu Hartz IV, sprechen von den Betroffenen als „diese Menschen“ und wie man „mit ihnen umgehen“ sollte, als wäre das alles ganz weit weg. Unter den politischen Parteien hat sich eine Alternative zum Mainstream nicht gebildet.

Die Titanic fährt auf den Eisberg zu, und es gibt keine Möglichkeit, dagegen etwas zu tun mit Wahlen, Demonstrationen, direkter politischer Einflußnahme, Publizieren …

Etwas abstrakter: In der modernen, bürgerlichen, demokratischen Gesellschaft wurde alles als veränderbar gedacht. Nichts sollte mehr feststehen. Dieser Rahmen besteht in Deutschland bis auf weiteres nur noch formal fort. Damit wären wir vorerst am Ende des Projekts Moderne/Aufklärung angekommen, und jetzt bildet sich tatsächlich ein „Reformstau“, der den Namen verdient.