Deutschlandradio Wissen III

Man hat also nochmal einiges geändert am Programmschema von „Deutschlandradio Wissen“, das heute gestartet ist.[1][2] Zum Tagesprogramm kann ich noch nichts sagen, weil ich es bis auf weiteres nicht hören kann. Die Vorlesungs- und Diskussionssendung „Hörsaal“ kam heute zwischen 20 und 21 Uhr, und sie bot tatsächlich zum Auftakt ganz großes Kino (Kogon/Adorno/Horkheimer im Gespräch und einen Vortrag von Hannah Arendt). Gerade läuft das Wissenschaftsmagazin von France Inter, und der weitere Abend scheint fest in der Hand von Schweizer Radio DRS zu sein („Kontext“, „Echo der Zeit“). Näheres verrät uns die Website des neuen Programms, die inhaltlich vollständig von der hervorragenden Site der beiden anderen Programme von Deutschlandradio getrennt ist, leider nicht. Es gibt keine aktuelle Programmübersicht zum Livestream, sondern nur ein allgemeines Programmschema und eine Auswahl auf der Startseite.

Andererseits hat sich mit dem Abendprogramm ab 21 Uhr meine Erwartung, es handele sich bei dem neuen Programm um eine Podcast-Abspiel-Station, leider bestätigt. Ganz sicherlich sind die hier zweitverwerteten Sendungen von Radio France und von Schweizer Radio DRS sehr hörenswerte Produktionen. Es gibt sie aber allesamt auch als Podcast zu hören, und für ein Programm, das hauptsächlich auf die Verbreitung über das Internet setzt, ist das ein ziemliches Armutszeugnis. Denn für die Übernahme ausländischer (wahlweise: inländischer) Podcasts in einem zusätzlichen Livestream auf Kosten des Gebührenzahlers gibt es beim besten Willen kein Bedürfnis.

Auffällig ist auch die sprecherisch schlechte Präsentation der Nachrichten zur vollen Stunde. Gerade der Deutschlandfunk hat hier einen Ruf zu verlieren, denn besser gesprochene Nachrichten als im DLF findet man kaum im deutschsprachigen Radio.

Man darf also hoffen, daß die Kinderkrankheiten noch behoben werden. Am Konzept im ganzen wird sich indes wahrscheinlich nichts mehr ändern. Dradio Wissen ist bis auf weiteres ein Podcast-Kropf im deutschen Radio, was ausgesprochen schade ist.

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4 Kommentare zu „Deutschlandradio Wissen III“

  1. Tatsächlich unterscheiden sich Tages- und Abendprogramm sehr stark voneinander. Von 6 bis 18 Uhr strenges Schema und allenthalben Ankündigungen („Wir sprechen gleich darüber mit …“) und elektronische Musik zum Lückenfüllen. Gleich kann man ja noch darüber sprechen, weil alle 15 Minuten wieder irgendwelche Nachrichten kommen müssen. Dann wartet man eine Minute mit der Warteschleifenmusik, dann kommen Nachrichten und dann kann endlich das Gespräch kommen.

    Abends dann so eine Art Schülerfunk (Redaktionskonferenz) und danach die übernommenen Produktionen.

    Tagsüber ist es also durchaus ein herkömmliches Radio — dass die Hörgewohnheiten jenseits von UKW andere sind, haben sie sich noch nicht so überlegt.

    Aber kann noch werden, denke ich.

  2. Danke, Stefan. So in etwa hatte ich es mir ja auch vorgestellt: Wie ein Info-Radio. Und das tut mir mit am meisten leid. Wenn man 24 Stunden Zeit hat, um „Bildung“ zu bringen, sollte man sich Zeit nehmen, eher Tempo herausnehmen, entschleunigen. Nachdenken braucht Zeit und Atem. Bildung ist mit D-Zug (oder besser: ICE) nicht zu vereinbaren. Sonst ist es wieder nur ein weiterer Infotainment-Kanal. Der Trailer „Hinein in den Elfenbeinturm“ (oder so ähnlich), den ich vorhin hörte, geht ja in die richtige Richtung. Aber warum gibts Bildung nur tagsüber? Und warum ist der Elfenbeinturm größtenteils nur aus Plastik nachgemacht?

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