Bloggen über die berufliche Tätigkeit?

Claudia Kilian hatte gestern in ihrem Blog die Frage aufgeworfen, warum so wenige Blogger über ihre eigene berufliche Tätigkeit schreiben? Hierzu schrieb ich am selben Abend in zwei Kommentaren[1][2]:

Spontan fallen mir die Blawgs ein, vor allem Udo Vetters law blog oder Thomas Stadlers Internet-Law. Wobei ich mich immer wieder demütig darüber wundere, wie abwechslungsreich und bewegt der berufliche Alltag meiner geschätzten Herren Kollegen zu sein scheint … 😉 SCNR. [… Aber:] Lohnabhängige, die bloggen? Die sind zugegebenermaßen sehr selten. Freiberufler zwischen 35 und 45, linksliberal bis grün gestimmt, dominieren die Szene klar. Und die meisten sind, übrigens, männlich. Meine Vermutung: Wer bloggt, kann es sich leisten, eine eigene Meinung zu haben. Online werden die faktischen Grenzen der Freiheit, seine Meinung äußern zu können, besonders deutlich. Von den Gefahren, die mit einer Veröffentlichung von Einstellungen, Konflikten, Meinungen zur Arbeit einhergehen, mal ganz abgesehen. Falls überhaupt, könnte ich mir solche Blogs nur anonym vorstellen.

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3 Kommentare zu „Bloggen über die berufliche Tätigkeit?“

  1. Ja, du hast den Finger ziemlich deutlich in die Wunde gelegt. Mich bringt das noch mehr zum Nachdenken. Vorallem darüber, ob ich nicht doch eine Form finden sollte, die Arbeit öfters anzusprechen. Nicht nur in fikionalem Gewand.

  2. Letzteres halte ich für heikel. Ich meine, man sollte es ganz grundsätzlich bei einer mehr oder weniger „abstrakten“ Erörterung belassen, also keine konkreten Konflikte oder Probleme beschreiben oder gar Namen nennen. Zum Bloggen gehört für mich die Subjektivität. Ich schreibe über meine eigene Betroffenheit, schildere meine Sicht, äußere meine Meinung darüber. Wenn man das auf ein Blog überträgt, ist der Übergang zu einer Art „kleiner Wallraff“ fließend. Will man das sein/werden?

    Ergebnis: Zumindest ich würde nach Möglichkeit nicht über konkrete Fälle schreiben, in denen ich tätig bin, sehr wohl könnte man aber über die eigene Beteiligtheit schreiben, man könnte also beispielsweise eine (ganz kleine 😉 „Theorie der Rechtsberatung“ entwerfen und über das Vieleck „eigene Ziele“ – „Erwartungshaltung des Mandanten“ – „Erwartungen und Anforderungen Dritter (z.B. Berufshaftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen)“ – Gerichte/Behörden – „Wissenschaftlichkeit beim Arbeiten“ philosophieren. Entsprechendes kann ich mir auch für die Tätigkeit in Behörden oder in einem privaten Unternehmen vorstellen.

    Problematisch ist es ganz sicherlich, Kritik zu äußern, weil hier auch die arbeitsvertragliche bzw. beamtenrechtliche Treuepflicht zu beachten wäre, bzw. die (nach)vertragliche Treuepflicht bei einem Freelancer.

  3. @jfenn
    Der letzte Satz Deines Kommentars ist wohl entscheidend. Selbst wenn es keine Kritik ist, die man äußert, kann selbst eine „neutrale“ Schilderung der Berufswelt zum Anlass genommen werden, gegn den Schreiber vorzugehen – auch von Kollegenseite. Als abhängig Beschäftigter ist das sehr problematisch. Denn die Absicht des Schreibenden muss nicht immer mit der Deutung des Lesenden übereinstimmen.

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