schneeschmelze | texte

wenn der weiße schnee, der alles bedeckt hat, schmilzt, erscheint die welt wieder, wie sie ist, nicht: wie sie war

Kitsch bei Suhrkamp

„In Gegensatz gebracht zu einer künstlerischen Bemühung um das Wahre oder das Schöne, werten Kritiker einen zu einfachen Weg, Gefühle auszudrücken, als sentimental, trivial oder kitschig.“[1]

Peinlich wars wohl wieder mal. Und Hesses „Stufen“ gehören scheinbar unvermeidlich dazu. Sie machen selbst aus der nüchterndsten Veranstaltung noch etwas Kitschiges:

„Suhrkamp ist und bleibt nun mal der deutsche Geistesolymp. Gemessen an diesem Status ging es mit Schnittchen und Orangensaft ausgesprochen asketisch, betont nüchtern zu. Das Glas Sekt war noch das Prickelndste, was den Gästen dieses Empfangs widerfuhr. Von einer geistigen Zäsur in der Kulturgeschichte der Republik war nichts zu spüren. Auch nicht, als der meist eher unpoetische Kulturstaatsminister Bernd Neumann den „Weltgeist“ aus Hermann Hesses Gedicht Stufen bemühte, der sich nicht fesseln lässt, nicht an der Heimat wie an einem Raum hängt und nur Aufbruch und Reise kennt.“

Ingo Arend, Regenbogen in Prenzlauer Berg, über die Einweihungsfeier des Suhrkamp-Verlags nach seinem Umzug nach Berlin, Der Freitag, 27. Januar 2010.

Da möchte man doch gleich mit aufbrechen und der Frau Unseld in ihren Reitstiefeln im übrigen eine schöne Treppe wünschen.

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Das iPad

Apple hat also ein Tablet ins Programm genommen und nennt es iPad. Beim Betrachten der Keynote fiel mir schnell auf, daß ich keine Verwendung dafür habe. Glaubt denn irgendjemand, daß hier bald eine nennenswerte Zahl von Leuten mit sowas herumlaufen wird? Ich sehe lediglich eine Anwendung für das Teil, nämlich E-Books. Die bisherigen E-Book-Reader waren nicht überzeugend. Aber der E-Book-Markt kommt nicht voran. Auf der letzten Buchmesse erfuhr ich von den Verlagen: Ausschließlich der akademischer Bereich USA laufe gut, sonst würden E-Books nirgends in nennenswertem Umfang nachgefragt/angeboten. Auch der bisweilen zu vernehmende Vergleich mit iPhone und iPod trägt m. E. nicht, weil hier die typische Apple-GUI auf die jeweilige Anwendung übertragen worden war. Seitdem gibt es nun eben auch Smartphones und Mp3-Player mit einer Apple-GUI. Das war neu und ist sehr angenehm. Die Bedienbarkeit war hier vielfach kaufentscheidend, auch wenn die Geräte weniger leistungsfähig waren als andere Wettbewerber. Aber das iPad kommt mir vor wie der Versuch einer Studie für ein Gerät, das tatsächlich keiner braucht: Man erfand den Tablet-PC. Aber wozu ist das Ding denn nun, bitte, nütze? Man könnte es mal im Consumer-Segment versuchen … etwa als E-Book-Reader de luxe. Oder als Surfstation fürs Sofa. Um zu testen, ob es gelingt, dementsprechende Bedürfnisse zu wecken. Beim MacBook Air war es so ähnlich. Das brauchte auch keiner. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Anders scheint nur zu sein, daß die Geeks vom iPad schwärmen. Aber gleichzeitig erklären sie, nicht zur Zielgruppe zu gehören. Zum mobilen Surfen ist ein iPhone besser geeignet, denn es ist kleiner und daher praktischer als das iPad. Fazit: Ein Testlauf. Apple hat viel Geld in der Kasse und kann sich sowas leisten. Es erinnert mich ein bißchen an den Transrapid. Das war auch ein ganz tolles Teil, nur leider paßte es nirgends in die Landschaft.