Facebook is a closed shop IV

von schneeschmelze

Immer mehr Online-Communities ziehen auf Facebook um oder richten dort zumindest eine Art Dependance zu Werbezwecken ein, wo sie diejenigen Mitglieder untereinander austauschen können, die auch auf Facebook zugange sind. Jüngste Beispiele sind das Funkkolleg Religion von hr2 und die A-DX-Mailingliste.

Die A-DX-Liste von Christoph Ratzer ist das größte und aus meiner Sicht seit Jahren schon auch das spannendste deutschsprachige Forum für Kurzwellenhörer im Netz, und die Einrichtung der Gruppe war auf der Liste umstritten. Viele erklärten, sich nicht auf Facebook registrieren zu wollen, was aber nur notwendig ist, um dort auch eigene Beiträge schreiben zu können. Die Inhalte der Gruppe sind auch abrufbar, wenn man nicht eingeloggt ist, und sie funktioniert bisher sehr schön. Vor allem haben Hobbyfreunde mittlerweile schon viele schöne QSL-Karten dort eingestellt, was vor allem für die technisch weniger gut versierten auf Facebook sehr einfach möglich ist.

Leider ganz anders sieht es dagegen auf der Fan-Seite zum Funkkolleg „Religion und Gesellschaft“[1][2][3][4] aus. Anders als beim vorhergehenden Funkkolleg Psychologie[5], wurde darauf verzichtet, auf der Website des Hessischen Rundfunks ein begleitendes Forum einzurichten. Die Facebook-Seite wurde offiziell für den Austausch unter den Kollegiaten empfohlen. Nur für „Multiplikatoren“, die Begleitkurse leiten, gibt es ein eigenes Forum. Und auf der Facebook-Seite des Funkkollegs tut sich seitdem wenig. Dort werden vor allem die neuesten Sendungen angekündigt. Ich habe auch immer mal wieder einen Link gepostet, wenn mir etwas unterkam, was Bezug zum Thema hatte. Die Resonanz war aber gleich null, abgesehen von einem Retweet durch den Admin. Die Facebook-Seite ist bisher kein Ort geworden, an dem Fragen gestellt worden wären oder an dem man sich über die Themen des Funkkollegs austauschen würde. Das monotone „… gefällt das“ eines oder zweier unermüdlicher und scheinbar nicht frustrierbarer Teilnehmer dominiert die Beiträge der User. Auch ein Dialog mit den Machern des Funkkollegs findet hier (im Gegensatz zur Vorjahresveranstaltung) nicht statt.

Natürlich kann man dazu anführen, daß die Kurzwellenhörer zumindest typischerweise mehr Interesse an Technik haben dürften als die Religions-Interessierten, so daß sich deren Beteiligung von vornherein in etwas engeren Grenzen halten wird als bei den Technik-Freunden. Und möglicherweise wäre die Funkkolleg-Seite etwas einladender, wenn man dort auch Links posten dürfte, wenn man Videos und Audios selbst einbinden könnte – was der Admin leider bis heute nicht erlaubt. Es zeigt sich hierbei meines Erachtens aber auch, daß es nur bedingt möglich ist, das Web 2.0 in soziale Netzwerke abzuschieben. Zaun drum. Alle anderen müssen zumindest, was das Mitmachen angeht, leider draußenbleiben. Wer nicht registriert ist, darf nur mitlesen, nicht -schreiben. Das ist letztlich weniger ein Web 2.0 als eine Art Web 1.5: Eine halbherzige Veranstaltung, schlecht durchdacht und vom Mißtrauen gegenüber den Usern getragen. Wieder mal ein Fall von: „Wenn Beamte Internet machen …“