Wikipedia in Bibliotheken

von schneeschmelze

Auf der InetBib-Liste wurde gerade darauf hingewiesen, daß ein Verlag, von dem dort schon früher die Rede war, Artikel aus der Wikipedia zweitverwertet und in gedruckter Form zum Preis von etwa 30 Euro auf den Markt bringt. Katalogrecherchen zeigten, daß Bibliotheken solche Bücher mittlerweile tatsächlich angeschafft hätten. Diese Verwertung der Inhalte von Wikipedia ist zulässig, solange dabei die Lizenzbedingungen beachtet werden. Die Einführung der CC-by-sa-3.0 hat hier vieles vereinfacht.

Meiner Meinung nach gehört die Wikipedia mittlerweile in die Bibliotheken wie andere Nachschlagewerke und Datenbanken auch. Der Zugriff sollte überall lesend und schreibend frei verfügbar sein. Das ergibt sich nicht nur daraus, daß die Wikipedia die hergebrachten Enzyklopädien und Lexika weitgehend verdrängt hat, sondern auch daraus, daß sie vielfach zitiert wird, so daß es möglich sein muß, eigene Recherchen anzustellen, um Nachweise überprüfen bzw. aktualisieren zu können. Dabei spricht auch nichts gegen eine Archivierung der Wikipedia in gedruckter Form in den Bibliotheken. Es gibt durchaus Artikel, die gedruckt archivierungswürdig sein können, beispielsweise solche, für die es kaum deutschsprachige Fachliteratur gibt, oder die Artikel, die mit der Zedler-Medaille ausgezeichnet worden sind. Wenn man sich anschaut, welche Werke wissenschaftliche Bibliotheken mitunter anschaffen und sich ins Archiv stellen (allgemein informierende Broschüren von Sozialversicherungsträgern, Privatversicherungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, Miet- und Scheidungsratgeber etc.), wäre ein Ausflug zu Wikipedia mitunter nicht die schlechteste Idee …

Dabei sollte man sich aber der Bestellfunktion bedienen, die seit längerem schon in der Wikipedia vorhanden ist. Der Verlag PediaPress bietet hier den Druck von einem oder von mehreren Artikeln als collection an zum Preis von 6,58 Euro für bis zu 100 Seiten. Davon wird wiederum die Wikipedia bzw. das Mediawiki-Projekt unterstützt. Es handelt sich um eine OpenSource-Lösung, und PediaPress war vergangenes Jahr auch schon zum zweiten Mal auf der Frankfurter Buchmesse als wissenschaftlicher Verlag vertreten.