Weiterer Abbau beim „Freitag“

von schneeschmelze

Aus gesundheitlichen Gründen hatte ich die „Freitag Community“, zu der ich vergangenes Jahr auch so manchen Blogbeitrag beigesteuert hatte, schon einige Zeit hinweg nicht mehr verfolgt. Ich hatte mir den „Freitag“, den ich früher lange Zeit hinweg abonniert hatte, in den letzten Wochen immer mal wieder am Kiosk gekauft, dabei auch einige gute Artikel gelesen – der Zeitung fehlt aber leider weiterhin die Substanz, die sie früher, vor der Übernahme durch den neuen Verleger Jakob Augstein, ausgezeichnet hatte. Aus Protest mit der Linie, die das Blatt unter der neuen Führung eingeschlagen hatte, hatte ich mein dortiges Blog im November 2009 geschlossen. Zuletzt hatte ich verfolgt, wie einer seiner wichtigeren Autoren aus dem Feuilleton gemobbt worden ist. Thomas Rothschild schreibt seitdem in „Ossietzky“, auf einer etwas kleineren Bühne.

Nun lese ich, daß dem langjährigen Feuilleton-Redakteur Ingo Arend gekündigt worden ist. Augstein schreibt, Arend solle weiterhin als Autor zu der Zeitung beitragen. Man beabsichtige aber, das Feuilleton umzubauen. Zwei Seiten Literatur-Rezensionen seien zuviel, eine Seite sei genug, man wolle lieber neue „Wissen“-Seiten einführen, hierfür habe man eine neue Redakteurin gefunden, für den Redakteur Arend sei kein Geld mehr vorhanden.

Lieber Herr Augstein, das ist der falsche Weg. Ingo Arend ist ein verdienter und ausgesprochen sachkundiger Feuilleton-Redakteur, der das Gesicht des „Freitag“ über lange Zeit hinweg mit geprägt hat. Er war nicht nur für die Literatur zuständig, sondern auch für die übrige bildende Kunst. Wenn Sie ihm kündigen, wäre das ein großer Verlust für die Redaktion und für Ihre Leser. Der Literaturteil war eine Kernkompetenz des Feuilletons. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Gerade eine kleine Zeitung kann es sich nicht leisten, in einem so wichtigen Ressort auf eigenen Sachverstand zu verzichten. Der weitere Abbau der Kulturberichterstattung ist ein erneuter Schritt des Kahlschlags, den Sie begonnen haben. Ich wüßte wirklich nicht mehr, warum ich den „Freitag“ wieder abonnieren sollte.

Ich bin solidarisch mit Herrn Arend, und ich wünsche ihm für das anhängige gerichtliche Verfahren guten Erfolg.

Ich bitte darum, den früheren Arbeitsvertrag mit Herrn Arend zu unveränderten Bedingungen fortzusetzen.

Kommentar in der Freitag Community am 23. Februar 2010, 22.15 Uhr.