Vom „echten“ Bloggen II

von schneeschmelze

Ich mag die kleinen, vielleicht auch künstlerischen Blogs, die Anne Roth im Gespräch mit Philip Banse bei dctp.tv jüngst durchaus ein bißchen abschätzig als „klassische Tagebuch-Blogs“, „Strick-Blogs und Kochrezepte-Blogs“ bezeichnet hatte, meist von Frauen geschrieben und im Geruch des Unpolitischen stehend, „nicht so sichtbar“, „tauchen nicht in den Rankings auf“, in denen die Hitparade der großen Blogs verhandelt wird. Ich weiß nicht, in welche Schublade Anne Roth meine „schneeschmelze“ legen würde, hier gibt es weder Kochrezepte noch Strickbögen. Tagebucheinträge aber schon. Daneben andere Formen: Vermischtes. Und ich mag besonders die „kleinen Blogs“, von denen es so viele gibt. Claudia Kilian winkt mich heute abend zu dem Blog von eukapirates, in dem die kleine literarische Form bis zu „zehn Zeilen“ geübt wird. Sehr schöne kleine Texte, die mich schnell zum Träumen und Weiterspinnen, aber auch zum Weiterdenken bringen. Anne Roths Arbeit in ihrem Blog annalist ist klasse, keine Frage. Ich lese ihr Blog oft und gerne, es ist sehr informativ gemacht und mitunter spannend zu lesen. Aber einfach so abtun kann ich die „kleine“, literarische, Tagebuch-Form gegenüber dem „großen“, „ernsthaften“ politischen Blog nicht. Sicherlich kann man sich fragen, warum unter den etwas prominenteren Bloggern mehr Männer als Frauen aktiv sind. Man mag das zurecht beklagen. Aber meine ganz privaten Blogcharts sehen ganz anders aus als das, was da so gerankt wird. Ich mag die „echten“ Bloggerinnen und die „echten“ Blogger. Dazu zählen gerade auch die Langstreckenläufer unter ihnen. Beiderlei Geschlechts.