Auf dem Zauberberg XVI

Heute zum ersten Mal selbstgemachtes türkisches Börek gegessen, das ein Mitbewohner zu unserer gemeinsamen Abschlußfeier mitgebracht hatte. Es war sehr lecker. Auch die Torte mit Sahne, die uns gereicht wurde, schmeckte uns sehr gut. Viele sehr liebe Geschenke und viel Leichtigkeit gab es, die uns die Traurigkeit über den Weg zurück ins Tal leichter ertragen ließen. Und auch Einladungen gab es, zurückzukehren und wieder auf dem Zauberberg zu hospitieren. Meine weitere Reise wird mich ins Mittelgebirge führen, um im Bild zu bleiben.

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Weiterer Abbau beim „Freitag“ III

Die taz berichtete bereits am 24. Februar 2010 über den weiteren Abbau[1][2] bei der Wochenzeitung „Der Freitag“: „‚Den Schwerpunkt auf Buchrezensionen zu legen‘, so Augstein zur taz, sei eine ‚überholte, starre Form‘. Für ihn ist das eine ganz normale redaktionelle Kurskorrektur.“ Und:

„Exakte, geprüfte Zahlen über die Auflage gibt es nicht, weil der Freitag nicht mehr der IVW-Kontrolle unterliegt. Beim Relaunch erhöhte das Blatt die Auflage kurzfristig auf 70.000 Exemplare. Die Versuche, die Kioskverkäufe dauerhaft zu erhöhen, waren teuer und erfolglos. Jetzt plant der Verlag, den Kioskverkauf komplett einzustellen. Ab April soll es den Freitag nur noch in Bahnhofsbuchhandlungen zu kaufen geben. Das wiederum macht es schwer, neue Abonnenten zu interessieren.“

Über die Entwicklung der IVW-Zahlen für den „Freitag“ hatte ich zuletzt im Oktober 2009 geschrieben.

Erste Auswirkungen des Hartz-IV-Urteils des BVerfG II

Die Härteklausel, die nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts im SGB II fehlt, soll im Bundeshaushalt 2010 mit schätzungsweise 100 Millionen Euro zu Buche schlagen, schätzt das Bundesarbeitsministerium. Der Gesetzentwurf zur Neufassung der Hartz-IV-Regelsätze solle im Herbst in den Bundestag eingebracht werden, hieß es in einer Sitzung des Haushaltsausschusses.

Dort war auch die Rede davon, die Zahl der Arbeitslosen werde im laufenden Jahr voraussichtlich nicht so hoch ausfallen wie ursprünglich erwartet. Deshalb werde die Nettokreditaufnahme wahrscheinlich niedriger liegen. „Die Sprecherin der SPD-Fraktion“, deren Namen die Pressestelle des Deutschen Bundestags leider für sich behält, demonstrierte daraufhin ihre Verbundenheit mit der rot-grünen Agenda 2010 und mit der Politik der früheren großen Koalition, indem sie erklärte: „Die Arbeitsmaßnahmen der Vergangenheit tragen jetzt die Früchte.“ Der Antrag der Linksfraktion, die Regelsätze anzuheben, wurde von den anderen Parteien abgelehnt. Bündnis 90/Die Grünen wiesen der Meldung zufolge vor allem darauf hin, daß alle vorgenannten Schätzungen unsicher seien und sehr stark von der weiteren Entwicklung der Konjunktur abhingen.

Weiterer Abbau beim „Freitag“ II

In der derzeitigen Diskussion um die Entwicklung des Feuilletons der Wochenzeitung „Der Freitag“, die bisher zur (arbeitsgerichtlich angefochtenen) Kündigung eines Redakteurs geführt hat, hat sich auch Andreas Rohlfs in seinem Blog geäußert. Seinem Fazit ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen:

„Ich lese seit der Umgestaltung unter Augstein nicht mehr viel vom Freitag. …

Ich lese halbwegs bewusst seit einem Viertel­jahrhundert Zeitungen. Die Blei­wüsten sind nach und nach verschwunden. Die Zeitungen sind heute ‚luftiger‘ mit viel Weiß auf den Seiten und großen Fotos. Schriften und der Zeilen­abstand sind größer geworden. Es steht weniger Text auf der Seite. Mehr Seiten sind es selten geworden. Wenn ein Becher Joghurt bei gleicher Becher­größe mehr Luft und weniger Joghurt enthält, nennt man das eine Mogel­packung. Und der Freitag wird immer mehr dazu: Schnell durchgeblättert, wenige Artikel, die ich wirklich lesen will, viel Luft – und damit meine ich nicht nur Weißraum.

Ich glaube nicht, dass der Freitag die nächsten fünf Jahre überleben wird. Schade, denn dann bleibt nur noch die Zeit. Und mit der konnte ich noch nie etwas anfangen.“

Auf der Galerie

Die Ratsvorsitzende der EKD Margot Käßmann ist heute zurückgetreten, nachdem sie bei einer Alkoholfahrt mit dem Auto von der Polizei mit 1,5 Promille Blutalkohol aufgegriffen worden war. Was wäre gewesen, wenn sie unauffällig unterwegs gewesen wäre? Wenn ihre Fahrt nicht von der Polizei unterbrochen worden wäre? Wenn die BILD-Zeitung oder andere Medien nicht berichtet hätten? Wie hätte es dann um ihre Glaubwürdigkeit im Amt gestanden? Die doch abhängig ist nicht von Käßmann, dem Menschen, sondern von dem Bild, das die Medien von ihr zeichnen. Man denkt an die Parabel Auf der Galerie von Kafka: Die „lungensüchtige Kunstreiterin“ in der Manege ist die Kehrseite der „schönen Dame“, die mit größter Leichtigkeit ihrer Kunst lebt. Man denkt an gedopte Leistungssportler, die bejubelt ihre Medaillen ersprinten und danach im Fernsehen interviewt werden. Und man sieht nur die im Lichte.

Vom „echten“ Bloggen II

Ich mag die kleinen, vielleicht auch künstlerischen Blogs, die Anne Roth im Gespräch mit Philip Banse bei dctp.tv jüngst durchaus ein bißchen abschätzig als „klassische Tagebuch-Blogs“, „Strick-Blogs und Kochrezepte-Blogs“ bezeichnet hatte, meist von Frauen geschrieben und im Geruch des Unpolitischen stehend, „nicht so sichtbar“, „tauchen nicht in den Rankings auf“, in denen die Hitparade der großen Blogs verhandelt wird. Ich weiß nicht, in welche Schublade Anne Roth meine „schneeschmelze“ legen würde, hier gibt es weder Kochrezepte noch Strickbögen. Tagebucheinträge aber schon. Daneben andere Formen: Vermischtes. Und ich mag besonders die „kleinen Blogs“, von denen es so viele gibt. Claudia Kilian winkt mich heute abend zu dem Blog von eukapirates, in dem die kleine literarische Form bis zu „zehn Zeilen“ geübt wird. Sehr schöne kleine Texte, die mich schnell zum Träumen und Weiterspinnen, aber auch zum Weiterdenken bringen. Anne Roths Arbeit in ihrem Blog annalist ist klasse, keine Frage. Ich lese ihr Blog oft und gerne, es ist sehr informativ gemacht und mitunter spannend zu lesen. Aber einfach so abtun kann ich die „kleine“, literarische, Tagebuch-Form gegenüber dem „großen“, „ernsthaften“ politischen Blog nicht. Sicherlich kann man sich fragen, warum unter den etwas prominenteren Bloggern mehr Männer als Frauen aktiv sind. Man mag das zurecht beklagen. Aber meine ganz privaten Blogcharts sehen ganz anders aus als das, was da so gerankt wird. Ich mag die „echten“ Bloggerinnen und die „echten“ Blogger. Dazu zählen gerade auch die Langstreckenläufer unter ihnen. Beiderlei Geschlechts.