Chomsky, Obama, Europa, USA

von schneeschmelze

Die Kulturnachrichten von Deutschlandradio Kultur spitzen gerne zu, so auch bei dieser Meldung von gestern:

„Europa liebt Obama, Noam Chomsky tut es nicht. Der amerikanische Linguist und Philosoph kann die hiesige Begeisterung für den US-Präsidenten kaum nachvollziehen. Dessen Politik unterscheide sich nicht sonderlich von derjenigen, die sein Vorgänger George Bush zuletzt verfolgt habe, sagte der 81-Jährige in Stuttgart. Obama beherrsche jedoch die Show und ernte dafür eben Sympathie. Chomsky, der in den USA als Querdenker und Kritiker seines Landes gilt, wurde in der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit dem Erich-Fromm-Preis ausgezeichnet.“

Die Begeisterung für Obama war, glaube ich, in den USA immer schon größer als anderswo. Weil die grundlegende Haltung gegenüber den USA eine kritische ist, ist man im Ausland auch gegenüber dem jeweiligen Präsidenten im Zweifel skeptisch eingestellt. Auch Obama ist hier ganz anders aufgenommen worden als in den USA, wo er von der Linken (beispielsweise von Democracy Now!) in eine Reihe mit den großen amerikanischen Bürgerrechtlern gestellt wurde. Europa war im Wahlkampf eher für Hilary Clinton, die in USA eher für Karrierismus und für Geld stand. Obama machte einen modernen Online- und Grassroots-Wahlkampf mit sehr vielen kleinen Spenden, was ungewöhnlich war. Die Erwartungen waren dort also sehr hoch. Hierorts herrschte eher eine Erleichterung, daß die Bush-Regierung („old Europe“) endlich vorbei war. Insoweit glaube ich auch, daß Deutschlandradio Kultur hier etwas schief liegt.