Microblogging

von schneeschmelze

Microblogging ist kein Ersatz für das schrumpfende Usenet. Zu schnell ziehen die Tweets vorbei, vieles entgeht einem. Und auch die Suchmaschinen sind überfordert mit dieser Art von „Echtzeit“-Kommunikation: Das Ranking nach Relevanz versagt, weil man die Re-Tweets (auf die es hierbei ankäme) so schnell gar nicht auflösen könnte, wie es nötig wäre. Und externe (auf den Microblogging-Dienst) eingehende Links gibt es naturgemäß nicht. Die Microblogger deuten nach draußen. Der größte Unterschied zum Usenet besteht aber darin, daß die Tweets nur innerhalb eines genau definierten Netzwerks weitergegeben werden. Sie richten sich erst in zweiter Linie an die Allgemeinheit (via Suchmaschine), und auch das nur bei denjenigen Usern, die ihren Account nicht vor dem Einblick Dritter verschließen. Wer dem Twitterer nicht folgt, erfährt nicht, was dieser der Welt mitteilt. Demgegenüber ist die Newsgroup ein virtuelles schwarzes Brett, das lange Zeit hinweg öffentlich zur Verfügung steht: Solange nämlich, bis das Posting auf dem Server gelöscht wird, und danach weiter im Archiv bei Google Groups, ehemals Deja News. Der Zugriff ist jedem möglich, während es bei Twitter und ähnlichen Diensten (allen voran: die freie Alternative Identi.ca) um die Teilnahme an einem sozialen Netzwerk geht: Wer sich nicht mit den richtigen Leuten vernetzt, der steht draußen und nimmt am Informationsaustausch nicht teil. Deshalb kann damit das alte Usenet nicht ersetzt werden. Das Usenet verschwindet ersatzlos. Eines kann man immerhin feststellen: Am Informationsfluß in sozialen Netzwerken zeigt sich ein Korrelat im virtuellen Raum für das allgemeine gesellschaftliche Phänomen der Exklusion. Der Zugang zu Information ist prekär geworden. Nur Daten gibt es im Überfluß.

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