Spaziergang am Ostersonntag

von schneeschmelze

Kalt und kahl stehen die Bäume im Wald, und die Sonne wärmt gerade so, wenn sie schräg einfällt. Ihr Licht ist klar. Es füllt den Raum zwischen den Bäumen aus, der jetzt besonders auffällt, solange sie noch kein Laub tragen. Der lange Schatten – bin ich. Flugzeuge im viel zu lauten Anflug, immer wieder. Tiefdunkle Wolken fahren durch den Himmel, aus denen es unvermittelt regnet, minutenlang. So lange, daß ein Regenbogen entsteht, der direkt zwischen den Bäumen steht, der bis auf den Waldboden reicht, bis er wieder vergeht, als wäre er nie dagewesen. Autos fahren auf der naßgeregneten Straße. Ein alter Schäferhund stellt sich als wachsamer dar, als er dann beim Vorbeigehen tatsächlich ist. Ein kleiner Junge streichelt ihm über den Kopf. Der Hund ist etwa so groß wie das Kind. Familien schieben ihre Kinderwagen durch den Regen, und der Spielplatz leert sich. Heimwärts. Zwei Jogger laufen vorbei. Vor dem Hotel stehen ältere Leute, nach dem Feiertagsessen und dem Kaffee, vor der Wegfahrt, teilweise rauchend, miteinander redend. Gutbürgerlich und sonntagsträge. Der Wind ist kalt. Der Wald ist voll von welken Blättern, die verweht werden. Vor dem Haus erwarten mich Frühlingsblumen. Ein Nachbar wünscht schöne Ostern. Es ist Zeit, Bücher einzuordnen.