Wiederum: Frank Schirrmacher, Payback

von schneeschmelze

Danke für Deine ausführlichen Gedanken zu Schirrmachers neuestem Werk. Bekanntlich war ich in fünf Teilen und zwei Nachträgen in meinem Blog ja zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen.😉

Ernsthaft: Ich finde Schirrmachers „Payback“ eher peinlich, denn von der Technik versteht er gar nichts, was ihn aber nicht davon abhält, ständig auf allen Kanälen das Gegenteil zu verkünden (und keiner traut sich darauf hinzuweisen, daß der Kaiser auch diesmal wieder keine Kleider trägt). Es bedarf keiner Erörterung, daß ich nicht ernsthaft an einem Text schreiben kann, während ich gleichzeitig von meinen E-Mail-, Twitter-, Newsgroup- und Jabber-Clients beschallt, beblinkt oder sonst abgelenkt werde. Achtsamkeit. Darauf sind wir doch schon längst gekommen, auch ohne den Herrn S. und sein fahrig zusammengeschriebenes 200-Seiten-Stück.

Die entscheidende Frage ist aber, ob man es der FAZ irgendwann einmal anmerken wird, daß wenigstens einer ihrer Herausgeber mal etwas länger über die heutige Medienlandschaft nachgedacht hat als möglicherweise manch anderer unter den „Medienschaffenden“. Hier legst Du den Finger in die Wunde der Kulturindustrie, die schon seit ganz langer Zeit sich selbst gleichgeschaltet hat, indem sie gegenseitig voneinander abschreibt, und zwar ganz egal ob Print oder Online. Und das nun immer schneller, auch noch im gegenseitigen Wettlauf.

Allein, ich glaube es nicht, daß die FAZ sich mit ihrem Online-Auftritt hier ausklinken wird. Daß man sich traut, insgesamt sehr viel weniger zu bringen und dafür anteilmäßig (noch) mehr Eigenes, selbst Recherchiertes. Qualität vor Quantität.

Problematisch ist nicht, daß man eine wichtige Nachricht überlesen oder im Tickerstrom verpassen könnte. Wenn sie wirklich so wichtig ist, wird sie mich auch erreichen, das glaube ich mittlerweile auch. Problematisch ist es vielmehr geworden, überhaupt noch ein Medium zu finden, in dem etwas wirklich „Relevantes“ drinsteht, von dem ich noch profitieren könnte.

Deshalb besteht die Aufgabe darin, sich seinen eigenen „Medien-Mix“ immer wieder neu zusammenzustellen und so sorgfältig wie möglich aus der großen Zahl (nicht: aus der Vielfalt) an Quellen auszuwählen und sie zutreffend zu verstehen, sie so kompetent wie möglich einzuordnen. Beschränkung, also, und immer mal wieder auch Abschalten sind angesagt.

Sein Buch hätte er also besser „Pause“ nennen sollen. Oder „Log out“, wenns denn schon was Denglisches sein soll.

Kommentar bei F!xmbr, 5. April 2010.