Und man sieht nur die im Lichte …

von schneeschmelze

In einer Diskussion auf Facebook fiel unlängst der Satz, man solle Zuschußverlage wie etwa Peter Lang, wo 2006 auch meine Dissertation erschienen war, nicht unterstützen: „Peter Lang ist auch einer dieser ‚Der Autor zahlt den Druck‘-Verlage, bei denen es nicht traurig wäre, verschwänden sie völlig vom Markt.“

Das sehe ich ganz genauso. Es gab schon damals die Alternativen Print on demand sowie Copyshop. Beides wäre aber nur wenig billiger gekommen als die Veröffentlichung im Zuschußverlag. Auch freute mich das Angebot meines Doktorvaters, die Arbeit in seine Schriftenreihe aufzunehmen, wo sie sich zweifellos gut einfügte. Und außerdem zeichnete sich ab, daß zumindest ein kleinerer Teil der Druckkosten von einem Verband übernommen werden würden. Ein freundliche Geste, übrigens, denn meine Arbeit hatte sich in gewohnt kritischer Weise auch mit dessen Politik auseinandergesetzt, ebenso wie mit der allzu sozialleistungsträgerfreundlichen Rechtsprechung. Das alles machte mir die Entscheidung für den Wissenschaftsverlag ein wenig leichter. Eine reine Online-Veröffentlichung schied damals aus, weil die Promotionsordnung unseres Fachbereichs dies nicht vorsah.

Und auch wenn meine Erfahrungen mit der Herstellungsabteilung des Verlags als LaTeX-Anwender aus fachlicher Sicht leider mehr als ernüchternd waren, habe ich die Entscheidung auch im nachhinein nicht bereut. Denn ich kann mich schlechterdings nicht daran erinnern, daß das Bundesverfassungsgericht schon einmal eine BOD-Diss in einem seiner Urteile zitiert hätte. Peter Lang aber schon.

Für diese Bevorzugung der Zuschußverlage gibt es keinen sachlichen Grund, außer dem Umstand, daß auf diese Weise dem Empfehlungs- und Zitierkartell Genüge getan wird. Ganz sicherlich gibt es auch unter den BOD-Dissen eine ganze Menge an Arbeiten, die ähnlich lesenswert sind wie meine und die mit vergleichbaren Noten bewertet worden waren. Aber sie haben ganz offensichtlich nicht dieselbe Chance, von der Fachöffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Diese spielt sich weiterhin in anderen Bahnen ab, zumindest in der Rechtswissenschaft. Wer gelesen und zitiert werden möchte, muß selbst in den Medien schreiben, die gelesen und zitiert werden. Hätte ich mich für die etwas billigeren Wege zur Veröffentlichung entschieden, hätte ich auf diese Chance von vornherein verzichtet.

Amüsanterweise gilt die Bevorzugung bestimmter Publikationswege übrigens online fast ebenso strikt wie offline, denn auch umgekehrt werden online, insbesondere in Blogs, bevorzugt Quellen zitiert, die man verlinken kann, die also „ohne Medienbruch“ und damit „auf Augenhöhe“ dem Leser unmittelbar zugänglich sind. So bleiben die alte und die neue Medien-Welt auch weiterhin in aller Regel gut voneinander getrennt.

Wenn sich an dieser Entwicklung nichts ändert, wird es über kurz oder lang auch hier zu echten publizistischen „Parallelwelten“ kommen. Denn eines ist klar: Print verliert, und Open Access zieht, was die Verbreitung angeht, an den kommerziellen Produkten vorbei, auch und gerade bei der Nutzung online.

Fraglich ist also, wohin der Lichtkegel langfristig sich ausrichten mag. Was die Rechtsprechung angeht, so wird zumindest, was die oberen Instanzen betrifft, der Blick noch lange Zeit eher in die Produktion der Zuschußverlage gerichtet sein als in die Kataloge von Print on demand oder allgemein auf Online-Quellen. Das Thema Open Access ist bisher bekanntlich ein eher trauriges Kapitel in der Rechtswisenschaft. Auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts oder gar des Bundesgerichtshofs, das sich auf die Wikipedia bezieht, wird man jedenfalls noch lange Zeit warten müssen …