Der Wanderer IV

von schneeschmelze

Zwischen offline und online. Wer am Computer liest, bedient dabei eine Maschine. Wer ein Buch liest, versucht vor allem, den Text zu verstehen, den er vor Augen hat. Die technischen Voraussetzungen und die Anforderungen, die zu bewältigen sind, um an den Text zu gelangen, unterscheiden sich dabei grundlegend. Auch die Wirkungen sind verschieden. Der Buchleser ist sehr viel mehr bei sich, während der Computerleser in allererster Linie mit der Maschine beschäftigt ist, die er anstelle des Buchs und des Texts in seinen Händen hält. Weil ihm die Maschine die Möglichkeit zur weiteren Verarbeitung des Texts bietet, erwägt er, den Text zu speichern, ein Bookmark der Fundstelle abzulegen, lokal oder im Web oder auch dort, einen bibliographischen Nachweis anzulegen, Teile des Texts für die weitere Arbeit zu kopieren. Der Buchleser ohne Computer hat nur seinen Kopf und eventuell ein Blatt Papier und einen Stift zur Verfügung, um sich Notizen zu machen. Das Offline-Lesen führt zur Beruhigung und nimmt dem Denken die Flüchtigkeit. Es gibt dem Text die Würde zurück, indem sie ihn in seiner Ganzheit erkennbar macht. Ein Text ist mehr, ist etwas ganz anderes als nur eine bloße Sammlung von Daten. Ein Text will nicht bedient, er will vor allem verstanden werden.