Jeff Jarvis‘ Meinung zur Privatsphäre

von schneeschmelze

Philip Banse hat auf der re:publica 2010 Jeff Jarvis zum Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit befragt. Dabei traten von der deutschen Sicht grundlegend verschiedene Ansichten zum Umgang mit der eigenen Privatsphäre zutage. Der Datenschutz wird nach deutschem Recht mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht begründet, das ein Grundrecht ist und sowohl die öffentliche Gewalt als auch Private (Drittwirkung) bindet. Wenn Jarvis also meint, Google Street View dürfe alles photographieren, was in der Straße sich abspielt, so endet das Recht auf Entfaltung der Persönlichkeit für ihn mit dem Betreten des öffentlichen Raums. Wenn Jarvis aus dem Haus tritt, gibt er dieses Grundrecht also sozusagen an der Haustüre ab und überläßt sich der public sphere, die so bedeutsam ist, daß sie sein Grundrecht auf Privatheit entweder – das ist für mich nicht klargeworden – von vornherein ausschließt (seiner Auffassung nach: nicht vom Schutzbereich des Grundrechts erfaßt) oder daß man damit auf seine Privatheit gleichsam verzichtet. Beide Auffassungen wären jedenfalls mit deutschem Recht nicht zu vereinbaren, denn Art. 2 GG ist „verzichtsfeindlich“, und selbstverständlich bin ich auch im öffentlichen Raum insoweit Grundrechtsträger. Hier könnte es reizvoll sein, Jarvis bei passender Gelegenheit einmal etwas eingehender mit der deutschen Rechtslage zu konfrontieren.

Kommentar im Blog von Philip Banse, 16. April 2010.