Facebook is a closed shop IX

Die Menschen verschenken zwar nicht ihre Seele an Facebook, aber ihre Gedanken, ihre Beziehungsstrukturen. Was tun? Völlige Abstinenz ist keine Lösung. Und jeder Versuch, irgendwie teilzuhaben, spielt dann doch wieder Facebook in die Hände. Das Dilemma ist nicht zu lösen. […]

Die Abstinenz vom social web ist keine Lösung, weil sich die Öffentlichkeit schon verändert hat. Man muß sich fragen, ob man hieran teilhaben will. Cems Vergleich mit den Glasperlen der Conquistadoren ist richtig. Ich habe die Hoffnung, daß die Menschen klüger sind als die planenden Technokraten und daß es letztlich darauf ankommt, was man daraus macht. Man kann sich auch über eine böse[tm] Plattform für Gutes[tm] zusammentun. Früher gab es Usenet und Mailinglisten. Das gibt es heute noch, wird aber sehr viel weniger genutzt als die sozialen Netzwerke. Die nächste Plattform kommt bestimmt.

Bin mir übrigens auch nicht so sicher, ob Facebook in jedem Fall „eine Bedrohung“ ist. Ich beobachte, daß Menschen grundlegend unterschiedlich mit Facebook umgehen: drei-/vierstellige Freundeszahl vs. 20 Freunde; keine Einträge auf der Pinnwand vs. ständige Twitter-Updates; eingehende Angaben im Profil vs. gar nix usw. Dementsprechend unterschiedlich durchsichtig ist der User und seine Umgebung. Das ist sehr heterogen und sehr individuell.

Kommentare auf der Facebook-Pinnwand von Cem Basman, 26. April 2010.

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6 Kommentare zu „Facebook is a closed shop IX“

  1. „Und jeder Versuch, irgendwie teilzuhaben, spielt dann doch wieder Facebook in die Hände. Das Dilemma ist nicht zu lösen. […]“ – wieder einmal der Gruppen- bzw. Zugehörigkeitszwang? Ist es überhaupt ein echtes Dilemma?

  2. Kein größerer/ anderer Zwang als bei anderen Medien. Wenn alle E-Mail haben, bestünde der Wunsch, sich per E-Mail zu verständigen. Hier ist es nun ein sogenanntes soziales Netzwerk.

  3. Vorab: Mir geht es nicht um die „Verteufelung“ von Facebook u.ä. Diensten – aber:
    ich nehme aktiv am WWW teil, habe mich aber bisher bei keinem Facebook, Twitter, Xing oder ähnlichen Dienst angemeldet. Ich lese diverse Feeds, eine Tageszeitung, eine Wochenzeitung, eine monatlich erscheinende Pubklikation, höre viel Radio und habe kein Fernsehgerät. Das Gefühl, etwas zu verpassen oder „uninformiert“ zu sein, weil ich nicht bei einem sog. social network angemeldet bin, habe ich nicht, fühle bisher auch keinen Druck, mich dort anzumelden.
    Der Vergleich mit E-Mail hinkt meines erachtens an dieser Stelle, da es sich dabei lediglich um eine technische Möglichkeit handelt, die ich nutze oder auch nicht – so wie ich die normale Post nutze (und die vergleiche ich nicht mit einem sozialen Netzwerk, welches in der sog. real world existiert) – das nur am Rande.
    Interessant sind diese social networks dann, wenn aus ihnen reale Aktionen entstehen und sich das nicht nur in der mehr oder weniger unverbindlichen virtuellen Welt abspielt. 2000 „Freunde“ bei Facebook haben nichts mit der realen Welt zu tun – 20 Freunde kann ich auch ohne Facebook und das ganze drumherum händeln, oder? Interessant wäre zu wissen, wie sich die virtuellen Kontakte entwickeln, ob daraus Kontakte im realen Leben werden. Vielleicht haben aber auch die science fiction-Autoren recht, die uns künftig nur noch a la „Matrix“ im Cyberspace unterwegs sehen 😉 ?

  4. Es kommt darauf an, wo diese 20 „Freunde“ sich befinden und was gemeinsam veranstaltet werden soll. Sicherlich geht es auch ohne, aber diese Dienste haben tatsächlich das Potential, E-Mail und andere Dienste für die breite Masse abzulösen.

  5. Wenn ich gewisse Leute erreichen möchte, bleibt mir teils nichts anderes übrig. Natürlich kann ich mich komplett abkanzeln, aber wem nützt dies?

    Nehme ich das Beispiel Blog, bis dato wirkte noch die Allzweckwaffe RSS um die Leser zu beglücken. Jetzt ist es schon Pflicht die Einträge selbst weiterzuleiten auf Twitter, Facebook etc. pp., weil durchaus größere Gruppen existieren, welche nur noch auf diesen Plattformen ihre Informationen abgreifen. Man kann sich bis zu einem gewissen Punkt dagegenstemmen, will man jedoch noch irgendwie am Rande teilnehmen, so sind diverse Kompromisse von Nöten.

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