Auf der Brüsseler Galerie

von schneeschmelze

Die Süddeutsche Zeitung berichtet von einem wahren Drama: „Kanzlerin Merkel hat sich offenbar bis zuletzt gesträubt, das Hilfspaket für die Euroländer im Wert von 750 Milliarden Euro zu beschließen. Während der Verhandlungen soll Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sogar mit einem Austritt Frankreichs aus der Euro-Zone gedroht haben. … Am Schluss der Euro-Ministerrunde habe Sarkozy ‚mit der Faust auf den Tisch geschlagen‘, behauptete einer der Teilnehmer der Versammlung. ‚Das hat Angela Merkel zum Einlenken gebracht.‘“

Das unvorstellbar komplexe Problem der gegenwärtigen griechischen Wirtschaftskrise wird zugespitzt auf wenige Personen, the good, the bad, and the ugly. Der Macho Sarkozy gibt den Chruschtschow — und auf der anderen Seite: Mutter Merkel, die das Geld so gerne zusammengehalten hätte, aber sich unter dem Druck der Ereignisse nach stundenlangen nächtlichen Verhandlungen erst aufgrund von massiven Drohungen des bösen Franzosen buchstäblich „breitschlagen“ läßt.

Ach, so war das also. Aber es war ja ganz anders. Denn in Wahrheit© wird sich die Bundeskanzlerin überlegt haben, daß ein Konflikt mit Frankreich an dieser Stelle nicht sinnvoll gewesen wäre. Es liegt auf der Hand, daß die Disparität in der Eurozone vor allem durch die jahrelange Hartz-Politik von SPD, Grünen, CDU, CSU und FDP absichtlich herbeigeführt worden ist. Die radikalen deutschen Niedriglöhne zerreißen die europäische Wirtschaft in einem Ausmaß, wie es keine griechische Schuldenmilliarde je gekonnt hätte. Und das dürfte dann letztlich auch der Grund gewesen sein, weshalb man an dieser Stelle lieber klein beigegeben hat. Denn teuer, sehr teuer geworden wäre es so oder so. Und es kommen sicher noch härtere Tage (und: Verhandlungen).

Aber das interessiert unsere Zeitungen natürlich überhaupt nicht, und zwar hier insbesondere interessiert es die Süddeutsche Zeitung nicht, deren Chefredakteur doch sonst mit soviel Herzblut gegen Hartz & Co. schreibt und schreiben läßt. Die Analyse wäre nicht opportun in einem Medium, das sich an Leser und an Werbekunden verkaufen muß. Sie darf deshalb nicht in die laufende Berichterstattung einfließen. Also gehört sie gebloggt.

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