Bürgerliche Reportage

von schneeschmelze

Gero von Randow hat in der Zeit ausführlich die Verhältnisse im französischen Gefängnis Bonne Nouvelle in Rouen beschrieben. Der Mitarbeiter des Münsteraner Arbeitskreises zur Kritik des Strafvollzugs ecksztein hat den Beitrag kritisiert[1][2], und von Randow hat daraufhin in Blog-Kommentaren mehrfach erwidert und seinen Beitrag verteidigt. Auch ich habe deshalb meine Meinung heute in einem Kommentar geäußert.

Die Verhältnisse, die in dem Artikel von Herrn von Randow beschreiben werden, sind seit langem bekannt. Dagegen war die Frankfurter Männer-U-Haft, die man uns als Studenten vorführte, geradezu klinisch rein und beinahe kuschelig. Aber andererseits frage ich mich bei solchen Reportagen auch immer, ob es nicht doch des Unappetitlichen etwas zuviel ist, ob da nicht auch unter dem Deckmantel des Berichts und der Aufklärung eine Art von horreur erzeugt wird, bei dem es dem bürgerlichen Publikum kalt über den Rücken laufen soll, bevor es sich schüttelnd abwendet und weiterblättert zur „Wirtschaft“ mit den Rolex- und den Glashütte-Anzeigen?