Facebook is a closed shop XIII

von schneeschmelze

Heute abend habe ich eine neue Gruppe auf Facebook gegründet: „Wenn ich selbst gar nichts poste, läuft die Timeline trotzdem weiter.“ Die Beschreibung der Gruppe lautet: „Die Gruppe lädt ein zum Innehalten im Web 2.0, wo man ohne Unterlaß dazu aufgefordert wird, eigenen „Content“ zu erzeugen und in Blogs oder auf allen möglichen Plattformen einschließlich Facebook zu hinterlassen. Hierbei sollte mehr Bedächtigkeit und Passivität an den Tag gelegt werden. Wer weniger postet, hat mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.“ Natürlich können die Gruppenteilnehmer dort keine Inhalte einstellen, und es gibt auch keine Diskussionsforen.

Hiermit ziehe ich mich von der aktiven Teilnahme an den sogenannten sozialen Netzwerken zurück. Meine Accounts auf Facebook, Xing, Twitter und Identi.ca werde ich unverändert beibehalten, dort aber keine Inhalte mehr posten. Mein Blog führe ich weiter.

Ich beziehe mich auf eine Passage aus der Büchnerpreisrede von Wilhelm Genazino (2004): „Sehr geehrte Chefredakteure, Programmleiter, Fernsehdirektoren, Eventdenker, Kaufhauschefs! Sehr verehrte Planer von Freizeitparks, Loveparades, Expo’s und all dem anderen Nonsens! Laßt die Finger weg von unserer Langeweile! Sie ist unser letztes Ich-Fenster, aus dem wir noch ungestört, weil unkontrolliert in die Welt schauen dürfen! Hört auf, uns mit euch bekannt zu machen! Hört auf, euch für uns etwas auszudenken! Sagt uns nicht länger, was wir wollen! Bleibt uns vom Leib, schickt uns keine portofreien Antwortkarten und gebt uns keine Fragebögen in die Hand, interviewt uns nicht, filmt uns nicht, laßt uns in Ruhe! Laßt uns herumstehen, denn Herumstehen ist Freiheit! Und gebt euch zufrieden damit, wenn wir das, was uns interessant vorkommt, vielleicht niemandem erzählen wollen.“