Der Datenschutz am Ende des Monats

von schneeschmelze

Dirk Schneider weist auf einen Bericht der FAZ hin, wonach der RMV gedenke, ab 2015 sämtliche Fahrkartenautomaten abzuschaffen und durch ein elektronisches Bezahlsystem per Smartphone zu ersetzen:

„Die elektronische Zukunft sieht so aus: Ein Fahrgast steigt im Frankfurter Hauptbahnhof in einen Zug. Sein elektronisches Ticket – ein entsprechend konfiguriertes Handy oder eine Chipkarte – stellt beim Eintreffen am Bahnhof fest: Der Nutzer befindet sich am Hauptbahnhof Frankfurt. Beim Betreten des Zuges aktiviert eine Weck-Antenne im Fahrzeug das E-Ticket, und eine Raumerfassungs-Antenne registriert während der Fahrt die Anwesenheit. In Langenselbold verlässt der Kunde den Zug. Ein Bordrechner registriert automatisch den Ausstieg, gibt die Daten per Funk an ein elektronisches Hintergrundsystem weiter, das die Fahrt abrechnet. Der Fahrgast muss rein gar nichts tun. Nur am Ende des Monats seine Rechnung zahlen.“

Die Zeitung erklärt, auch die Die Bahn und andere Verkehrsverbünde in Deutschland wollten so verfahren.

Man fragt man sich unwillkürlich: Wer zahlt die Handys? Die Teilnahme am öffentlichen Personennahverkehr vom Besitz eines dementsprechenden Geräts abhängig zu machen, ist eine so absurde Idee, daß ich mich über den unkritischen Artikel in der FAZ nur wundern kann. Es gibt übrigens einen Präzedenzfall: Bei der Einführung des Digitalfernsehens mußten die entsprechenden Geräte für die Bezieher von Alg II und Sozialhilfe vom Staat übernommen werden, weil die Betroffenen sonst von dieser Infrastruktur abgeschnitten worden wären. Um die Kirche im Dorf zu lassen, mal ein Blick in meinen Gerätepark: Ein so aufwendiges und in Betrieb und Anschaffung teures Handy, wie es für dieses System erforderlich wäre, habe ich nicht und werde es auch nicht haben, weil auch ich es mir gar nicht leisten könnte. Mein Handy hat 6 Euro im Telekomladen gekostet und läuft auf Karte. Ich telefoniere damit für maximal 10 Euro im Jahr. Funktioniert zuverlässig, mehr braucht kein Mensch. Hier geht es aber nicht nur um die bekannte Milchmädchenrechnung, es geht um mehr: Wie „betrugssicher“ ist dieses neue Bezahlsystem? Wer kann denn da sonst noch auf meine Handynummer zugfahren? Wie soll die Abrechnung größerer Beträge über ein Handy auf Guthabenbasis erfolgen, wo kein Kredit bis zur Bezahlung der Rechnung gewährt wird? Muß der Fahrgast am Ende seines Guthabens aus dem fahrenden Zug springen? Und wie steht es, schließlich, mit dem Datenschutz des gläsernen Fahrgasts „am Ende des Monats“?