Aus den Augen, aus dem Sinn

von schneeschmelze

Das Usenet schrumpft[1], und über das Problem der Privatisierung des virtuellen Raums[2][3] hatte ich schon vor längerem geschrieben. Die Öffentlichkeit verändert sich, indem immer mehr Traffic von öffentlichen Medien, wie dem Usenet oder unmoderierten Mailinglisten, in proprietäre virtuelle Räume abwandert, die von Privaten nach letztlich unbekannten und undurchsichtigen Regeln organisiert werden. Aber auch die Archive der verbliebenen öffentlichen Räume im Netz sind proprietär. Google Groups ist das wichtigste Beispiel hierfür. Das Usenet nimmt dort einen immer kleineren Raum ein. Obwohl es weiterhin gut funktionierende und (nicht zuletzt dank effektiver Spamfilter auf den gut gepflegten Newsservern) lesbare Newsgroups gibt, gerade in der deutschsprachigen Hierarchie de.ALL, werden sie in der allgemeinen Suche bei Google Groups nicht mehr nachgewiesen. Sie werden dort zwar noch archiviert. Die allgemeine Suche führt aber in aller Regel erst einmal zu Beiträgen in Webforen. Will man Newsgroups durchsuchen, muß man sie über die erweiterte Suche ansprechen, und dazu muß man erst einmal wissen, daß es sie überhaupt gibt. Über die allgemeine Web-Suche weist Google das Usenet schon seit längerer Zeit nicht mehr nach. Damit verschwindet ein weiterhin aktives öffentliches Datennetz aus den Suchmaschinen und damit aus dem öffentlichen Bewußtsein. Es ist schlicht nicht mehr auffindbar. Man könnte auch sagen, es wird uns von den Suchmaschinen vorenthalten, oder: es wird vor dem Benutzer verborgen. Auch das ist ein Problem, das im Zusammenhang mit der Auffindbarkeit freier Inhalte anzuführen wäre.[4]