Das Web 2.0 und das Usenet

von schneeschmelze

Zum Thema „Web 2.0“ gibt es, abgesehen von comp.internet.services.*, alt.wikipedia und alt.de.wikipedia keine Newsgroups, und zumindest die beiden letzteren sind schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr zum Posten genutzt worden. Alles rund um dieses Thema spielt sich innerhalb des Web 2.0 ab, auf Blogs, auf Twitter, Facebook und so weiter. Ich bin dort gerade ausgestiegen[1][2] und wieder stärker ins Web 1.0 zurückgekehrt. Es gibt kaum Überschneidungspunkte.

Peter Glaser hat heute in der dem Tode geweihten ORF-Futurezone die Geschichte des Usenet rekapituliert. Er schreibt:

„Heute ist das Usenet in Pension. In Archiven wie Deja News wurden zahllose historische Usenet-Beiträge gesammelt. 2001 wurden die Datenbestände von Google aufgekauft und in Google Groups umbenannt. Die Zugriffszahlen sinken und die Funktionen des Usenet wurden von neuen Web-Angeboten wie Foren, kommentierbaren Blogs und sozialen Medien wie Facebook und Twitter übernommen. Die Verdienste dieser frühen Gemeinschaftsform aber stehen außer Frage. Lange bevor das Internet 1993 in der Öffentlichkeit erschien, war das Usenet bereits Vorbote eines Wandels, der zur Entdeckung eines neuen Kontinents führte, der von allen Menschen auf diesem Planeten bewohnt werden kann: die digitale Welt.“

Es ist geschrumpft, das Usenet. Es ist leerer geworden, der Spam tritt stärker hervor, und in manchen Newsgroups tummeln sich die rechten Extremisten. Die allgemeine Websuche von Google weist es nicht mehr nach. Manche Internet-Access-Provider bieten ihren Kunden keinen Zugriff mehr auf einen Newsserver an. Aber es ist weiterhin ein Ort, an dem sich die Netizens schnell, unzensiert und frei untereinander austauschen können, es ist eine veritable digitale Öffentlichkeit und damit Teil der offenen Gesellschaft, wie sie das Web 2.0, der privatisierte virtuelle Raum, niemals hervorbringen wird, und insoweit ist es unersetzlich.

Bearbeitete Usenet-Postings hvgtqo$5am$00$1@news.t-online.com und hvgv5q$98k$00$1@news.t-online.com vom 19. Juni 2010. Ergänzt.