Nachdenken über Kommerz vs. Blogs

von schneeschmelze

Die gestrige FAZ-mspro-Geschichte[1][2] regt zum Nachdenken an.

Auf der einen Seite gibt es die kommerzielle Nachrichtenmaschine – Presseabteilungen von Konzernen, Parteien und Behörden mit viel Geld und Spindoktoren beliefern die Agenturen und die Massenmedien, die dann die Weisheiten als Transmissionsriemen an ihre Endverbraucher transportieren. Der allergrößte Teil dessen, was in „den Medien“ steht, wird auf diese Weise produziert, kaum etwas wird selbst recherchiert oder durch eigene Analyse als Thema gesetzt. Eine absolute Ausnahme bei den großen Adressen im Geschäft ist „Der Tag“ auf hr2, der sehr viel kluge und eigenständige Analyse bietet, und vor allem Florian Schwinn reagiert hier nicht nur auf aktuelle Ereignisse, sondern erarbeitet auch viel Eigeständiges, beschreibt gesellschaftliche Entwicklungen von Grund auf und versucht, sie zuende zu denken.

Blogger schreiben oft über tagesaktuelle Ereignisse und verlinken dabei meist die Internet-Seiten der großen Medien. Indem die Blogosphäre Meinungen zum laufenden Output der großen Nachrichtenmaschine erarbeitet und publiziert, wird sie einerseits zum Korrektiv. Noch nicht zur Gegenöffentlichkeit, aber sie rückt vieles gerade, und das ist auch eine sehr wichtige Funktion. Andererseits aber hängt sie damit selbst am Tropf der großen Nachrichtenmaschine, weil sie sich eben die Themen von ihr vorgeben läßt.

Blogs werden erwachsen sein, wenn die Blogger gelernt haben werden, eigenständig zu arbeiten und wenn sie selbst unabhängig vom Mainstream Themen setzen können. Wenn es soweit gekommen sein wird, kann die Nachrichtenmaschine allerdings einpacken. Und weil das so ist, werden die Mainstream-Medien alles daransetzen, die Blogosphäre immer wieder vorzuführen: als „unseriös“, „unzuverlässig“, „unbedeutend“, was auch immer.

Ich glaube trotzdem, daß David gegen Goliath letztlich gewinnen wird. Wäre es anders, wäre die Welt nicht zu ertragen. Ich würde mich niemals auf die Seite des Goliath stellen. An den gesellschaftlichen Fortschritt, an die fortschreitende Emanzipation und an die Aufklärung muß man glauben, und man muß sie betreiben. Das ist eine linke politische Haltung.