Persona non grata

von schneeschmelze

Im Vorfeld zur Wahl des Bundespräsidenten blendet das Nachrichtenprogramm des Hessischen Rundfunks hr-info mittlerweile die Kandidatin der Linkspartei Luc Jochimsen aus der Berichterstattung fast völlig aus. Für die Interview-Reihe „Im Gespräch“ wurden Sendungen mit Wulff und Gauck produziert, aber nicht mit Jochimsen. Und seit heute nachmittag laufen in dem Programm Trailer, in denen Jochimsen ebenfalls nicht mehr vorkommt. Die ehemalige Chefredakteurin des Senders ist durch ihre Tätigkeit als Bundestagsabgeordnete für die Linkspartei ganz offensichtlich zu einer persona non grata geworden. Entweder „Wulff oder Gauck“, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Dabei spielt es gar keine Rolle, wie wahrscheinlich oder wie unwahrscheinlich die Wahl Jochimsens zur Bundespräsidentin in der morgigen Bundesversammlung wäre. Zu kritisieren ist, daß der Sender sich nicht einmal darum bemüht, den Schein einer objektiven Berichterstattung zu wahren. Natürlich kamen in den letzten Wochen auch die kritischen Stimmen zu den beiden Kandidaten des neoliberalen Mainstreams nicht zum Zuge, die sich insbesondere in den Blogs[1][2] (jeweils mit weiteren Nachweisen) zu Wort gemeldet hatten. Der „Hessische Rotfunk“ ist endgültig Vergangenheit. Die Qualität der politischen Berichterstattung im hr wurde unter der rechts-konservativen Hessischen Landesregierung schon längst zu Tode gewendet. Unter den einstigen Chefredakteuren Luc Jochimsen oder Wilhelm von Sternburg hätte es so etwas ganz sicherlich nicht gegeben.