In Wikipedia schreiben IV

Zwei Trends fallen mir in der letzten Zeit auf: Zum einen tauchen unter den Edits in meiner Beobachtungsliste in der deutschsprachigen Wikipedia immer mehr Wünsche an die Wikipedia-Autoren auf. Sowohl angemeldete Benutzer als auch anonyme IPs schreiben Hinweise und Neuigkeiten zum Artikel lieber auf die Diskussionsseite, als sie selbst in den Text einzuarbeiten, oft verbunden mit dem Wunsch, sie in den Artikel einzufügen. Vielfach werden dabei auch gut brauchbare Belege recherchiert und weitergegeben, aber nicht selbst nachgetragen. Den Benutzern scheint nicht so recht klar zu sein, das ein Wiki ein Mitmachprojekt ist. Man sage nicht, das Editieren in Mediawiki sei zu kompliziert für sie, schließlich können sie ja auch auf die Diskussionsseite schreiben, wie man sieht. Es gibt wohl auch hier eine allzu bequeme Grundhaltung, doch bitte bedient zu werden, statt selbst Hand anzulegen und Inhalte zu schaffen und mitzugestalten.

Andererseits hat der Anteil der Edits von IPs gegenüber denen von angemeldeten Benutzern zugenommen, wiederum: zumindest bei den Artikeln, die ich beobachte. Hier hat es eine Verschiebung gegeben. Der Aufwand zum Sichten ist dadurch etwas gestiegen. Es gibt aber keinen qualitativen Unterschied zwischen den Beiträgen der beiden Benutzergruppen. Hier könnte ich mir vorstellen, daß die durch die Datensammelei von Google sowie durch Facebook und andere soziale Netzwerke wieder angestoßene Diskussion um den Datenschutz und die Befürchtung, auch bei der Verwendung eines Pseudonyms wiedererkannt zu werden, sich hier möglicherweise auswirkt.

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6 Kommentare zu „In Wikipedia schreiben IV“

  1. >Den Benutzern scheint nicht so recht klar zu sein, das ein Wiki ein Mitmachprojekt ist.

    Das ist auch bei diesem Mitmachweb 2.0 nicht so wirklich durchgedrungen. Allerdings stehte ich heutzutage der Wikipedia eher ablehnend gegenüber, ob vielerlei Gründe. Aber insbesondere ob der Qualität und der Tatsache, daß viel Schindluder mit dem Urheberrecht getrieben wird. Auf Anhieb könnte ich eine zweistellige Zahl von widerrechtlich verwendetem Bildmaterial nennen, dazu eine Menge recht „großzügiger Zitate“, um es einmal höflich auszudrücken. Für Trivia ist die WP eine adäquate Quelle, für dieses schnelle Nachschlagen. Für alle anderen Dinge empfehle ich weiterhin „analoge Werke“ jedweder Couleur. Vielleicht funktioniert es in Jura, aber in diversen Geisteswissenschaften befindet sich die WP meiner Meinung nach auf einem Tiefstand, inkl. einiger Lichtblicke, die wiederum aber den Braten nicht fett machen.

  2. Auch bei Jura funktioniert es nur teilweise, genauer gesagt: Wenn ich mir den Artikel selbst schreibe, funktioniert es am besten. 😉

    Jeder wird bei Artikeln, die in sein Fach fallen, jede Menge Unzulänglichkeiten in Wikipedia finden. Auch Naturwissenschaftler jammern darüber schon lange. Problem: Ich kann die Qualität immer nur für mein Fachgebiet (oder für meine Steckenpferde) beurteilen. Das heißt, gerade für die Fälle, für die ich eine verläßliche Quelle brauche, weil ich selbst unsicher bin, eignet sich Wikipedia genau aus diesem Grunde überhaupt nicht. Sie ist dann zwar immer noch etwas besser als eine ganz wilde Google-Suche, mehr aber auch nicht.

    Für mich ist Wikipedia ein Bildungsprojekt. Ich habe immer am meisten dadurch gelernt, daß ich anderer Leute Fehler gesucht habe. Deshalb nutze ich Wikipedia sogar sehr gerne: Man lernt viel dabei. Nicht durch das passive Lesen, sondern durch das Überarbeiten.

  3. Auch ich schreibe — nachdem ich lange auch eigene Artikel verfasst habe — seit einiger Zeit lieber auf der Diskussionsseite, als im eigentlichen Artikel, denn ich bin die ermüdenden Diskussionen dort leid. Soll doch der jeweilige Platzhirsch entscheiden, ob das dann hereinkommt oder nicht. 😦

  4. @Jörg: Sorry, ich verstehe den Unterschied zwischen einem Artikel-Edit und einem Diskussions-Edit nicht. Wenn Du es dem jeweiligen Platzhirsch überlassen möchest, was in dem Artikel steht, könntest Du doch auch direkt in den Artikel schreiben. Wenn der Platzhirsch das nicht mögen sollte, wird es es wieder ändern. Und die Diskussionsseite wäre dann der Ort, um diesen Revert zu diskutieren oder um darauf hinzuweisen, daß der Artikel Schlagseite in die eine oder in die andere Richtung hat. Und wenn ich einen Edit sichte, schaue ich mir eher die Entwicklung in der Versionsgeschichte des Artikels an als die mitunter ausufernde Diskussion. Also: Pro Artikel. 🙂

  5. Das Nutzer lieber auf die Diskussionsseite schreiben hat weniger damit zu tun, dass die Nutzer nicht wissen wie ein Wiki funktioniert (diese Nutzer schreiben nicht einmal auf die Diskussionsseite), sondern eher damit, dass Artikeledits von Neuautoren selten problemlos durchkommen. Es gibt einen starken Trend, dass nur noch etablierte Autoren in der Wikipedia schreiben. Für einen unbekannten Autor ist es daher einfacher und deutlich weniger nervenaufreibend seine Anmerkungen in die Diskussion zu schreiben. Sein Beitrag bleibt da stehen und kann auch weiterhin gelesen werden, während Ergänzungen im Artikel zu oft einfach wieder verschwinden. Die Diskussion mit dem ‚Artikelbewacher‘ kann auf der Diskussion auch wesentlich entspannter geführt werden, als durch widerstreitende Edits.

  6. @Jörgen: Hm. Das mag so sein. Wenn ich Edits sichte, ist es mir egal, ob sie von einem angemeldeten User oder von einer IP kommen. IPs tragen sogar viele sehr gute Inhalte bei, ich hatte gerade vorhin zwei neue Weblinks von IPs gesichtet, die ich super fand. Ich finde es bloß ärgerlich, daß man mit einer IP (ohne Benutzerseite) nicht in Kontakt kommen kann.

    BTW, sorry fürs späte Freischalten Deines Kommentars. Er war leider im Spamfilter von WordPress gelandet, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, wenn WordPress.com seine eigenen User ausfiltert …

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