Äpfel und Birnen

von schneeschmelze

Neue ErnteSprache ist verräterisch. Seit einiger Zeit schon werden private Krankenversicherer in den Medien zunehmend auch als „Krankenkassen“ bezeichnet, obwohl sie natürlich keine sind. Nur eine Krankenkasse ist eine Krankenkasse. Eine „private Krankenkasse“, von der erst gestern wieder im Pressedienst des Deutschen Bundestags die Rede war, gibt es schlicht nicht. Ein privater Versicherer ist etwas ganz anderes. Er betreibt sein Geschäft nicht im öffenlichen Interesse, sondern ausschließlich weil er sich davon einen Gewinn verspricht. Die Krankenkassen stellen hingegen zunächst einmal gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen die vertragsärztliche Versorgung in Deutschland sicher – die privaten Krankenversicherer und ihre besserverdienenden, weil nicht krankenversicherungspflichtigen Kunden profitieren hiervon. Und (ohne in die Einzelheiten zu gehen): Auch auf der Leistungsseite stehen viele gesetzlich Krankenversicherte im Regelfall sehr viel besser da als Privatversicherte. Äpfel sind keine Birnen. Auch wenn der Grund hierfür durchsichtig ist: Öffentlich-rechtliche Leistungsträger und private Versicherungen sollen durch dieses Vorgehen sprachlich gleichgestellt werden, wie es etwa schon beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem privaten Radio oder Fernsehen der Fall war und ist. Die einen machen Programm mit Kultur- und Bildungsauftrag für alle, die anderen eine einzige 24stündige Dauerwerbesendung für diejenigen, die es angeht, über die allgemeinen Konsumausgaben der privaten Haushalte finanziert. Und am Ende wird dann immer mal wieder die Frage gestellt, ob man nicht alles privatisieren könnte, ob die gebührenfinanzierten öffentlichen Träger nicht obsolet geworden seien. Das ist ja auch hier die allgemeine Stoßrichtung. Man wundert sich deshalb darüber, daß die gesetzlichen Krankenkassen sich ihren guten Namen von der Journaille einfach so nehmen lassen, denn das ist letztlich auch ein Teil der Meinungsmache gegen den Sozialstaat.

Abbildung von User amonja auf Flickr. Lizenz: CC-by-sa 2.0.