Digitale Indentität II [Update]

Der zweite neue Dienst neben der De-Mail ist epost.de, und das ist so ziemlich die abwegigste Wiedergeburt, die man sich überhaupt vorstellen kann, denn epost.de gabs schon einmal. Damals versprach die Post den Benutzern eine lebenslang verfügbare E-Mail-Adresse, der Dienst wurde aber nach fünf Jahren wieder eingestellt. Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt es sich bei der neuen epost um ein Portal, an dem nur diejenigen teilnehmen können, die sich per Postident plus Handy-TAN dafür registrieren lassen. Sie können sich dann untereinander über epost.de E-Mails zusenden. Das liest sich nach einer Art gelbem Facebook, allerdings mit automatischer Verschlüsselungsfunktion. Es ist aber noch mehr, denn wer dort nicht registriert ist, bekommt die Mail ausgedruckt und als Brief zugestellt, und das kostet extra. Damit werden wiederum Arbeitsplätze im Schalterbereich eingespart, weil der Verkauf von Briefmarken und die Annahme von Einschreibebriefen entfällt. Aber die Marke „epost“ war ja schon einmal vom Markt verschwunden (siehe oben).

[Update 17.7.2010: Ich hatte es falsch verstanden. Jeder E-Postbrief kostet eine Gebühr, auch die rein online zugestellte Mail soll (bis 20 MB) dasselbe kosten wie ein Standardbrief, nämlich schlappe 0,55 Cent.]

3 Kommentare zu „Digitale Indentität II [Update]“

  1. Habe mich spaßeshalber mal registriert. Weil mein eigenes Handy komischerweise beim SMS-Empfang hakt, musste ich mir ein Mobiltelefon borgen. Ohne Handy geht es nicht, es wird im Registrierungsprozess per SMS eine TAN übersandt. Es soll nun in den nächsten Tagen ein Brief von der Post mit weiteren Informationen kommen.

    Übrigens: Ich habe jetzt wieder dieselbe Epost-Adresse, welche ich im Jahr 2000 schoneinmal als „lebenslange“ Adresse registriert hatte…

  2. Sag ich doch: Die Nummer ist grotesk. Die Adresse wirst Du Dir noch öfter „reservieren“ können, warts ab.

    Meine Vermutung ist ja, daß es sich dabei eigentlich um einen Marketingverteiler für die Werbewirtschaft handelt. Wenn man damit Werbung verschicken kann, sind der Ausdruck und der Versand gleich mit im Preis mit drin, alles wird outgesourct, die Post übernimmt für die dann den ganzen Service.

  3. Ich halte Epost auch für einen potentiellen Rohrkrepierer.

    Für De-Mail andererseits könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es sich als Erfolg erweist, jedenfalls soweit es um die Kommunikation zwischen Behörden, Unternehmen und Freiberuflern etc. geht, weniger für Privatleute.

    Den Nutzen von De-Mail sehe ich weniger als Ersatz für die gesetzliche Schriftform als in der Möglichkeit, sehr leicht den Zugang einer Willenserklärung beweisen zu können.

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein Gewerbetreibender, ein Unternehmen, ein Freiberufler pp. es sich künftig nicht wird erlauben können, ohne eine De-Mail-Adresse aufzutreten, man würde sich sonst dem Verdacht aussetzen, nicht „greifbar“ sein zu wollen (so ähnlich, wie manche schrägen Kaufleute keine Bankverbindung im Briefkopf haben, weil sie nicht möchten, dass diese Information einem potentiellen Gläubiger für eine Kontopfändung zur Verfügung steht).

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