Wagner nennt Schmidt

In der „Achse des Guten“ (sic!) hat Richard Wagner (also jener) eine Liste zusammengestellt von „13 mittlerweile verstorbene(n) Autoren, die den Darmstädter Kennern entgangen sind“, denen nämlich, die den Georg-Büchner-Preis vergeben. Auf Platz eins findet man: „Arno Schmidt (1914-1979). Der Heilige Geist der Nachkriegsavantgarde hat eines der ersten und schärfsten Bücher über die Vertriebenen geschrieben, den Kurzroman ‚Die Umsiedler‘ (1953).“ Auf Platz zwei: Hans Henny Jahnn, auf drei: Gert Ledig. Immerhin noch Jean Amery auf Nr. 7 und Rolf Dieter Brinkmann auf der 12. Ich mag ja solche Hitparaden gar nicht.

Posting in der Arno-Schmidt-Mailingliste, 16. Juli 2010.

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2 Kommentare zu „Wagner nennt Schmidt“

  1. Nett, daß Schmidt überhaupt auf dieser Liste der „guten“ Achsenmächte der deutschen Literatur nach ’45 auftaucht; aber wirklich gelesen haben kann Wagner die „Umsiedler“ wohl kaum. Sicher, es ist ein schönes Stück Prosa, wenn auch als Handübung für die „Foto-Technik“ noch nicht ganz auf dem Niveau der „Pocahontas“; aber ein Buch über die Vertriebenen ist ja nur im sehr allgemeinen Sinne. Thema oder besser Anlaß der Erzählung (nicht: Kurzroman!) ist die staatlich gelenkt-geförderte „Umsiedlung“ von Flüchtlingen im Bundesdeutschland der 50er Jahre, um eine Art Lastenausgleich zwischen den Bundesländern herzustellen. Um das Schicksal der „Vertriebenen“ geht es dabei nur im weitesten Sinne. Erstaunlich ist allerdings, daß das bisher niemand bemerkt oder für erwähnenswert gehalten zu haben scheint. Man schmückt sich gern mit Schmidts Namen, aber wirklich gelesen hat man ihn nicht. Wenn das kein Hinweis auf den endlich erlangten „Klassiker“-Status ist!

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