Heinrich Böll ist gestern vor 25 Jahren gestorben

von schneeschmelze

Bölls Prosa hat etwas Triviales. Böll liest man nicht wegen seiner Schreibkunst, sondern wegen seiner Message. Böll ist der Autor mit der Message: Wendet Euch gegen den katholischen und faschistoiden Mief im Nachkriegsdeutschland! Dabei war er selbst in seinen Mitteln konventionell und alles andere als subversiv. Er hatte ja auch ein sehr entspanntes Verhältnis zu seiner eigenen Zeit als Soldat bei der Wehrmacht. Er fand, Kriegszeiten hätten auch etwas Normales an sich: Es werde geliebt, gekocht, es würden Witze gemacht, das Leben gehe weiter. Insofern bot sich für mich immer ein widersprüchliches Bild dar: Einerseits Böll, der Oppositionelle, der Kontakt zu osteuropäischen Dissidenten pflegte. Andererseits Böll, der rheinische Katholik, tiefrot und integer, immer mit der Baskenmütze, am Ende wohl eher grün. Und gegen den Anti-RAF-Wahn, mit seinem bekannten Spiegel-Essay. Was bleibt, sind für mich nur zwei Bücher von ihm: Zum einen das DTV-Bändchen mit den Satiren aus den 50er Jahren, „Nicht nur zur Weihnachtszeit“, einschließlich „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ und der „handlungsstarken Geschichte“ „Es wird etwas geschehen“, mit denen er die Tradition der angelsächsischen Short Story nach Deutschland gebracht hat und in der er treffsicher die verlogene Wirtschaftswunderzeit skizziert. Und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, trotz allem.

Posting in der Newsgroup de.rec.buecher, 17. Juni 2010 in dem Thread: „Was bedeutet Euch Heinrich Boell heute?“