Fördern und Wählen

von schneeschmelze

In Hamburg stand gestern die Schulreform zur Wahl, die der schwarz-grüne Senat durchführen wollte. Die Grundschule sollte, im Zuge der Erkenntnisse aus den international vergleichenden PISA-Studien, bis zur sechsten Klasse verlängert werden, um schwächere Schüler besser zu fördern. Ich fand dieses Vorhaben ausgesprochen konstruktiv, weil es das soziale Lernen als gleichermaßen bedeutsam für die Entwicklung der Kinder ansieht wie das intellektuelle Lernen und weil es damit auch anerkennt, daß man soziale Erfahrungen nicht von der intellektuellen und emotionalen Entwicklung trennen kann. Es wäre ein Beitrag zur stärkeren Solidarität und zum Zusammenhalt der Gesellschaft gewesen, und niemand hätte darunter gelitten, aber alle hätten davon profitiert. Aber das ist natürlich einem Bürgertum schwer zu vermitteln, das schon seit geraumer Zeit seine Kinder, soweit finanziell möglich, in private Schulen schickt, weil es sich davon einen Vorteil gegenüber den öffentlich beschulten Kindern verspricht, die ausschließlich als eines gesehen werden: Als spätere Konkurrenten um Arbeitsplätze. Zu den Unterstützern des bei der Volksabstimmung letztlich obsiegenden bürgerlichen Lagers gegen die Reform gehörte übrigens auch die NPD, und dabei gilt es zu bedenken: „In Hamburg gibt es einen beträchtlichen Anteil von Migranten an den Schulen. Viele ihrer Eltern haben keine deutsche Staatsbürgerschaft – und dürfen bei der Volksabstimmung somit noch nicht einmal über die Zukunft ihrer Kinder mit abstimmen.“ Obwohl sich die Initiative „Wir wollen lernen“, die sich gegen die Reform ausgesprochen hatte, von der NPD wohl distanziert hat, stimmt die Haltung, die sich hierin zeigt, bedenklich: Das Kleinbürgertum hatte – wieder einmal – offenbar keine Hemmungen, sich mit den Rechtsextremisten im Ergebnis zusammenzutun. Ich halte das für eine sehr gefährliche Lage für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland.