Von Essen über Frisch und Bach nach Frankfurt

von schneeschmelze

Auf der Rückfahrt von Essen nach Frankfurt zeigt sich die Landschaft von der waldigen Seite. Sanft hügelig und mit dichtem Baumbestand, wird einem klar, daß der Tatbestand aus der berühmten Entscheidung über das „Reiten im Walde“ in Nordrhein-Westfalen spielen mußte. Immer wieder lese ich in den Entwürfen zum dritten Tagebuch von Max Frisch. Auch so eine Art Blog. Vor allem seine Gedanken zum Älterwerden rühren mich an. Seine politischen Notizen stoßen meine Erinnerung an die damaligen Ereignisse an und machen sehr deutlich, wie vorläufig Anmerkungen zu zeitgeschichtlichen Themen sind. Ich denke an meine Blogbeiträge zur Sozialpolitik. Mit denen wird es in zwanzig, dreißig Jahren ganz ähnlich sein. Und Frischs Tagebuchstil war ja letztlich auch nichts anderes als eine Art Blog. Ab dem Bahnhof Köln Messe/Deutz wird der Jazz im ersten Audio-Kanal im ICE abgelöst durch Klassik. Ich lege Frisch beiseite und konzentriere mich auf die Musik. Die Landschaft geht allmählich vom nordrhein-westfälischen Wald in hessische Felder über, und man spielt, ich traue meinen Ohren zunächst nicht, das gesamte Album „Violin und Voice“ mit Hilary Hahn, Christine Schäfer und Matthias Goerne. Wie ärgerlich, daß ich in Frankfurt aussteigen muß und deshalb ausgerechnet den letzten Track nicht mehr zuende hören kann.