Broschüre zur Geschichte der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland

von schneeschmelze

Die gesetzliche Unfallversicherung feiert Geburtstag, sie wurde vor 125 Jahren gegründet, als das Unfallversicherungsgesetz in Deutschland in Kraft trat. Das Gesetz findet man übrigens im Wortlaut auf Wikisource. DGUV und Deutsches Historisches Museum haben hierzu eine Broschüre für den Unterricht aufgelegt, die die Geschichte der Unfallversicherung in Deutschland erzählt. Man kann sie frei herunterladen. Darin findet sich etwas, was man in unseren Sozialrechtslehrbüchern bis heute vergebens sucht: Eine Darstellung zur Unfallversicherung in der DDR. In einer Hinsicht ist sie leider etwas knapp geraten: Auf Seite 14 wird nur ausgeführt, die Berufsgenossenschaften seien nach dem Krieg aufgelöst worden, und die Unfallversicherung sei danach von der „Sozialversicherung der Arbeiter und Angestellten“ wahrgenommen worden, die von FDGB verwaltet worden sei. Dabei fallen leider zwei weitere Träger unter den Tisch: Die „Sozialversicherung bei der Staatlichen Versicherung der DDR“ und die Wismut, die eine eigene Sozialversicherung für ihre Beschäftigten hatte. Dafür enthält die Broschüre insoweit aber auch einen Punkt, der mir beim Schreiben meiner Diss seinerzeit entgangen war: Daß nämlich die Arbeitgeberhaftpflicht im ostdeutschen System nicht wie hierzulande abgelöst worden war. Die Unternehmen konnten im Versicherungsfall von den Unfallversicherungsträgern also auf Regreß in Anspruch genommen werden (S. 15). Alles in allem eine lesenswerte Neuerscheinung.

A propos Unfallversicherung: Die Organisationsreform der gewerblichen Berufsgenossenschaften im Nachfeld des Unfallversicherungsmodernisierungsgesetzes ist neuerdings so nachhaltig ins Stocken geraten, daß der Gesetzgeber im August in einem neuen § 225 SGB VII die Fusion bestimmter Berufsgenossenschaften gesetzlich angeordnet hat. Genau dies wollten die BGen immer vermeiden; es ist ihnen offensichtlich nicht gelungen.

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