Der Ngram-Viewer

von schneeschmelze

Ngram Viewer: Vergleich des Auftretens der Begriffe Holocaust und Shoah zwischen 1950 und 2008 in Google BooksIm Wikipedia-Kurier wird auf ein neues Werkzeug aus den Google Labs hingwiesen, mit dem man den Textkorpus von Google Books auswerten kann. Der Ngram Viewer erlaubt die Suche über mehrere landessprachliche Korpora sowohl für einzelne Stichwörter als auch im Vergleich miteinander (ein sogenanntes N-Gramm). So kann man beispielsweise darstellen, wie sich die Begriffe Holocaust und Shoah seit Mitte der 1980er Jahre ergänzt, aber nicht auf gegenseitige Kosten verdrängt haben.

Ngram Viewer: Auftreten des Begriffs Gefahrtarif zwischen 1900 und 2008 in Google BooksNatürlich hat mich interessiert, ob es eine Besonderheit bei dem Begriff Gefahrtarif zu erkennen gibt. Die sprunghafte Zunahme der Rechtsstreitigkeiten um die Gefahrtarife insbesondere der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft seit 2000 hat laut Ngram-Viewer tatsächlich zu einer ebenso sprunghaften Zunahme der Häufigkeit dieses Begriffs im deutschen Textkorpus von Google Books geführt, die auch darüberhinaus weiter anhält.

Hierzu wäre natürlich anzumerken, daß der Korpus von Google Books in keiner Weise repräsentativ wäre für die deutsche Sprache (oder für irgendeine andere Sprache, die dort erfaßt wird), denn darüber, welche zeitgenössischen Werke in Google Books eingestellt werden, entscheiden allein die Verlage und die Urheber dieser Werke, wie man mir am Buchmessestand von Google erklärt hatte. Nur bei den gemeinfreien Werken bediene sich Google nach eigenem Gutdünken. Außerdem dürften dort bei weitem mehr wissenschaftliche als populäre oder belletristische Werke erfaßt worden sein. Die Verlage entscheiden zudem darüber, welche Textausschnitte zu Werbezwecken bei Google abrufbar sind. Der Textkorpus von Google Books ist genauso unbekannt wie alles übrige auch bei Google, insbesodere die Suchalgorithmen. Google ist sozusagen die größte black box des Internets. Rückschlüsse von Google Books auf „die deutsche Sprache“ sind also nur innerhalb gewisser Grenzen zulässig… trotzdem ganz sicherlich ein sehr interessantes Tool.