Der Wanderer VIII

Manchmal ist es gut, daran erinnert zu werden, daß man im Hier und Jetzt leben sollte. Wer mit den Gedanken der Vergangenheit nachhängt, gleich wie lange sie her sein mag, kann nicht gegenwärtig sein, in keiner Bedeutung des Wortes.

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7 Kommentare zu „Der Wanderer VIII“

  1. Die Vergangenheit, die Menschheitsgeschichte, ist mein Refugium. Warum sollte ich dies aufgeben und das Schicksal einer Eintagsfliege teilen? Hier und Jetzt läßt den Menschen abtreiben, entwurzelt fegt ihn der kleinste Hauch des Lebens hinfort. Der Mensch definiert sich durch Vergangenheit und geht gestärkt aus diesem Umstand hervor. Und bei Bedarf kann er Kraft aus diesem Bewußtsein schöpfen, er weiß woher er kommt, worin er wurzelt. Entwurzelte Menschen sind das Übel unserer Zeit … hier und jetzt.

    1. Du solltest es aus Achtsamkeit aufgeben, weil Du in der Vergangenheit nicht wurzeln kannst. Du lebst jetzt und hier, nicht damals und dort. Wenn Du nicht in der Gegenwart wurzelst, hast Du gar keinen sicheren Stand im Leben.

  2. Leben kann man nur in der Gegenwart, denn Zeitmaschinen gibt es noch nicht (wird es nie geben?).
    Auch der, der im Gedanken in der Vergangenheit weilt, lebt in der Gegenwart.
    Aus der Vergangenheit Lehren ziehen (das meint @Oliver?), verhindert kein bewusstes Leben in Gegenwart, ja foerdert es wahrscheinlich.

  3. Meine Hypothese ist, dass man zum vollständigen und erfüllten Leben auch eine Vergangenheit braucht (habe Menschen kennen gelernt, die den Zugriff auf ihre Vergangenheit nicht mehr nutzen können). Ich befürchte, dass man (ich eingeschlossen) oft ein Problem mit den Prioritäten hat. Zu intensiv mit der Vergangeneheit beschäftigt zu sein, trübt nach meiner Einschätzung die aktuelle Wahrnehmung. Was ich aber fast noch bedenktlicher finde, wenn man zu sehr in der Zukunft lebt und intensiv mit deren Planung beschäftigt ist, sodass man gar nicht mehr wahrnimmt und empfindet – also lebt. Auch das kenne ich von mir selbt. Ganz ohne Zukunftsorientierung ist Leben aber allzu flüchtig und möglicherweise auch „gefährlich“. Es ist wie mit dem „Gift“ – die „Dosis erscheint mir entscheidend. Ich befürchte, dass ich oft zu wenig im Hier und Jetzt bin und deshalb finde ich alle Hilfen, Gedanken und Empfindungen, die darin unterstützen, hilfreich. Ich denke nicht, dass man nur durch eine stärkere Achtsamkeit für das „ich bin“ das „ich war“ oder „ich werde sein“ verliert. Alle augenblicklichen Empfindungen, gespeicherte Wahnehmungen und auch die „Vorfreuden“ das Antizipieren bestimmen mein Ich-Bewusstsein. Tut mir in diesem Moment gerade gut, darüber nachzudenken! 🙂
    Grüße von Susann

    1. Danke für Deine Anmerkungen, Susann. Du hast das Problem sehr differenziert herausgearbeitet. Dabei fällt mir auf, daß ein „ich werde sein“ für mich gar nicht existiert, ich kenne nur „ich war“ und „ich bin“. Daher erst mal meine Abgrenzung gegenüber der Vergangenheit und die Besinnung in der Gegenwart.

  4. > Wenn Du nicht in der Gegenwart wurzelst, hast Du gar keinen sicheren Stand im Leben.

    Was du als Gegenwart bezeichnest, ist in jedem Augenblick schon wieder vergangen. Im Augenblick zu verweilen, den Blick in die Vergangenheit zu verneinen, die Zukunft zu fürchten, ist Ausdruck existentieller Angst vor dem Leben.

    @HF

    >Aus der Vergangenheit Lehren ziehen (das meint @Oliver?), verhindert kein bewusstes Leben in Gegenwart, ja foerdert es wahrscheinlich.

    Exakt, das meinte ich. Ich habe als Archäologe/Historiker einen anderen Blick auf diesen Zeitstrom. Ich lebe im Augenblick, wer jedoch meint in einem Status verweilen zu wollen, ob nun Gegenwart/Vergangenheit, der verliert auf Dauer nur.

  5. Ich denke auch, dass sich die Konzepte Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft nicht ausschließen, sondern sogar erst aus ihrer Differenz entstehen. Was aber auch wahr ist: An die Gegenwart denke ich oft zu wenig. Vielleicht ist das gemeint.

    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass es (lebende und konstruierte) Sprachen gibt, die ohne Tempusformen auskommen.

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