Wikipedia: Qualität und Relevanz

Je länger und je intensiver ich mich an Wikipedia beteilige, desto mehr werde ich vom Inklusionist zum gemäßigten Exklusionist. Natürlich ist es zu begrüßen, wenn die althergebrachten Scheuklappen der bildungsbürgerlichen Enzyklopädien wegfallen und immer mehr Beiträge in Wikipedia erscheinen können, die früher nur in Fachlexika oder in der wissenschaftlichen Literatur aufgetaucht sind. Andererseits stellt sich aber schlicht die Frage der Qualität: Wer soll das alles auf Dauer pflegen? Die Zahl der hinreichend kompetenten Autoren ist viel zu klein, um ein ewiges Wachstum von Wikipedia auf Dauer zuzulassen. Insoweit bin ich pessimistisch, was die Möglichkeiten der Qualitätssicherung in Wikipedia angeht. Das stetige Wachstum muß langfristig auf Kosten der Qualität gehen. Und das war ja auch der Grund, weshalb ursprünglich die Relevanzkriterien eingeführt worden waren: Nicht um bestimmte Inhalte aus Wikipedia herauszuhalten oder um bestimmte Interessen zu unterdrücken und andere zu fördern, sondern um das ganze Projekt auch qualitativ langfristig am Laufen zu halten. In diesem Sinne: Back to the roots!

Meine Stellungnahme zum ewigen „Sektenkrieg“ der Inklusionisten gegen die Exklusionisten in Wikipedia, 12. Januar 2011.

Advertisements

5 Kommentare zu „Wikipedia: Qualität und Relevanz“

  1. Alles richtig gesehen. Es geht aber nicht nur um die dauernde Pflege. Es ist auch notwendig, dass heute ein Artikel eine ansprechende Grundlage bietet. Ein paar dahingeworfene Sätze sind in der Regel wenig einladend und führen kaum zu einer Erweiterung eines Artikel. Bei längerem Beobachten gibt es bei den meisten Artikeln nur zwei Momente der qualitativen Verbesserung, bei der Neuanlage und wenn sich irgendjemand erbarmt und einen Artikel grundlegend neu schreibt.

    1. Jaja, aber die laufende Pflege des Bestands ist schon auch bedeutsam. Zumindest bei den Artikeln, die ich beobachte, fällt mir immer wieder auf, daß den meisten Autoren die laufende Verantwortlichkeit für ihre eigenen „Kinder“ fehlt. 😉 Statt den Bestand aktuell zu halten, werden immer mehr Artikel geschrieben, die Listen auf den Benutzerseiten werden immer länger… der zweimillionste Artikel ist aber kein Selbstzweck.

  2. Die Qualität ist jetzt schon nicht gesichtert, insbesondere im geisteswissenschaftlichen Bereich tun sich Abgründe auf, von meiner eigenen Profession ganz zu schweigen. Die Strukturen sind durch und durch konservativ, was aber eben kein Garant für Qualität in diesem Kontext darstellt, sondern die Wikipedia in eine qualitative Stase versetzt. Meine eigenen Beobachtungen wurden längst mit Zahlen belegt, an Fakten mangelt es also nicht.

    Wer soll diese Dinge pflegen? Andere Frage: wer hat die Muße sich in die Untiefen der Wikipedia hinab zu begeben und mitunter darin umzukommen? Das ist die Herausforderung der Zukunft. Die Frage Qualität Vs Quantität wird folglich im Rahmen der primär genannten Problematik gelöst.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.