Emil Gilels spielt Beethoven

von schneeschmelze

Zu den Geschenken, die ich zu Weihnachten erhielt, zählen auch einige Aufnahmen von Emil Gilels. Deshalb höre ich mich zurzeit durch die Klaviersonaten von Beethoven hindurch. Wieder einmal, zugegeben, es ist schon etwas her, daß ich Gulda, Kempff und Barenboim miteinander verglichen hatte, gut zwanzig Jahre, Gilels war mir damals nicht zugänglich. Also höre ich Beethoven neu, und ich staune darüber, mit was für einer Sorgfalt und Ruhe er musikalisch gestaltet hat. Mit was für einer Ausführlichkeit Melodien und Rhythmus aufgebaut sind. Der Musik liegt ein ganz anderes Zeitmaß zugrunde als wir es heute leben. Sie klingt heute, beim Wieder-Hören, tatsächlich wie aus einer weit entfernten Zeit zu mir, ist aber gleichzeitig sehr gegenwärtig. Zugegeben: Vieles von dem, was ich hier höre, ist auch einfach sehr, sehr langweilig. Das Repertoire an musikalischen Möglichkeiten, mit dem Beethoven arbeitete, war aus heutiger Sicht durchaus beschränkt. Er wiederholte sich bisweilen. Aber dann kommen immer wieder magische zehn Minuten, wo ich aufhorche. Wenn ich Beethoven höre, vertue ich meine Zeit beileibe nicht. Und ich möchte Guldas Leistung nicht schmälern, aber die Interpretation durch Gilels finde ich auch ganz ausgesprochen hörenswert.